Strukturwandel in Deutschland

Betriebe mit über 200 Kühen wachsen am Stärksten

Stall_groß

Die niedrigen Milchpreise haben den Strukturwandel beschleunigt. Ende November wurde in Deutschland wird nur noch auf 69.174 Betrieben gemolken. In den vergangenen drei Jahren haben rund 10.000 Milcherzeuger das Melken eingestellt. Ein Blick in die Statitsik.

Der Strukturwandel in der Milchviehhaltung hat sich fortgesetzt bzw. hat sich im Vergleich mit den Vorjahren verschärft. Die durchschnittliche Herdengröße hat erstmals die Marke von 60 Kühen je Betrieb überschritten. Im November 2016 wurden im Durchschnitt aller deutschen Milckuhbetriebe 61 Kühe gehalten, das waren 2,5 Tiere mehr als noch vor Jahresfrist und rund 13 Kühe mehr als fünf Jahre (2011) zuvor.

Betrachtet man den Strukturwandel der vergangenen drei Jahre, so zeigt sich dass Nordrhein-Westfalen die meisten Milcherzeuger verloren hat (-16,2 % bzw. -1.191 Betriebe seit November 2013) gefolgt von Rheinland-Pfalz (-13,3 %) und Hessen (jeweils - 13,2 %). In den neuen Bundesländern verlief der Strukturwandel hingegen deutlich moderater ab als in den alten Bundesländern. Hier liegt die Aufgaberate unter 10 %. Unter dem Strich haben seit November 2013 bundesweit knapp 10.000 Milcherzeuger (12 %) die Milchproduktion eingestellt.

Strukturwandel

50 % halten weniger als 50 Kühe

Betrachtet man nur die aktuelle Entwicklung, also das vergangene Jahr (Vergleich November 2016 zu 2015), so ist zu konstatieren, dass die Anzahl der Milchviehhaltungen um 5,6 % gesunken ist. Somit hat sich das Tempo des Strukturwandels deutlich erhöht.

Ein gutes Viertel (28 %) aller Milcherzeuger in Deutschland hält aber immer noch weniger als 20 Kühe. In den „Kleinbetrieben“ stehen allerdings insgesamt  nur 4,3 % der deutschen Milchkühe. Weitere 31 % der deutschen Milcherzeuger halten zwischen 20 und 49 Kühe. In den Ställen dieser Größenklasse stehen knapp 17 % der Kühe (2009: 27 %).

Vor allem die kleineren Erzeuger haben das Melken aufgegeben. Bei Ställen mit bis zu 9 Kühen war die Ausstiegsrate mit 8,9 % am größten, gefolgt von Haltungen mit 10 bis 19 Kühen, deren Anzahl sich um 8,3 % verringert hat. In der Größenklasse mit 50 bis 99 Kühe sind 3,2 % der Betriebe ausgestiegen bzw. haben ihre Kuhherde aufgestockt (sind in die nächste Größenklasse > 100 Kühe gewandert). In dieser Kategorie stehen aktuell nur noch 29 % der Kühe (32 % in 2009).

Milchkuhhaltungen nach Größenklassen
Nov 09 Nov 12 Nov 15 Nov 16 ± % Nov 16:15
Haltungen insgesamt 95.766 82.865 73.255 73.255 -5,6
1 - 9 Kühe 16.188 12.834 11.110 10.119 -8,9
10 - 19 Kühe 17.564 13.410 10.427 9.563 -8,3
20 - 49 Kühe 35.491 29.097 23.542 21.690 -7,9
50 - 99 Kühe 19.658 18.896 17.745 17.177 -3,2
100 - 199 Kühe 5.113 6.511 7.741 7.833 +1,2
> 200 Kühe 1.752 2.117 2.690 2.792 +3,8

Die Zahl der Haltungen mit 100 Kühen nimmt hingegen weiter zu, d.h. die Wachstumsschwelle liegt mittlerweile bei deutlich über 100 Kühen (seit 2011 ist in dieser Größenklasse bereits ein Wachstum zu beobachten). In den 10.625 Betrieben (15,3 % der Haltungen), in deren Ställen mehr als 100 Kühe stehen, finden sich mittlerweile rund 50 % aller deutschen Milchkühe. Noch vor fünf Jahren lag der Anteil bei knapp 38 %.

Die Zahl der Milchkuhbetriebe, in denen mindestens 200 Kühe stehen, hat sich mit 3,8 % am stärksten erhöht. 2.274 Milchkuhbetriebe halten mittlerweile 200 bis 499 Kühe, 518 Betriebe mehr als 500 Kühe.

1,6 % weniger Milchkühe als vor einem Jahr 

In Deutschland wurde erstmals seit 2009 wurde wieder ein spürbarer Rückgang der Kuhzahlen festgestellt, nachdem in den Jahren zuvor stabile bis leicht steigende Tendenzen zu beobachten waren. Ende November 2016 wurden nur noch 4,218 Mio. Milchkühe gezählt, wie das Statistische Bundesamt (destatis) am 21.Dezember 2016 bekanntgegeben hat. Damit ist der Bestand innerhalb eines Jahres um 1,6 % gesunken. Der geschrumpfte Kuhbestand lässt zunächst eine verhaltene Entwicklung des Milchaufkommens erwarten.

Chart_Struktur

Regional haben sich die Kuhbestände unterschiedlich entwickelt, wenngleich sie flächendeckend in allen Bundesländern gesunken sind. In den neuen Bundesländern war die Abnahme mit einem Minus von 5,2 % überdurchschnittlich stark ausgeprägt. Innerhalb Ostdeutschlands waren die Kuhzahlen in Sachsen mit einer Reduktion um 3,5 % am wenigsten stark rückläufig.

Der kleinste Rückgang im Bundesgebiet um 0,5 % wurde in Niedersachsen festgestellt, gefolgt von Bayern mit einer Reduktion um 0,8 %. In Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland sind die Kuhbestände innerhalb des ehemaligen Bundesgebietes am stärksten geschrumpft. 

Rassen

Die meisten der gehaltenen Milchkühe entfallen auf die Rasse Holstein (2.609.705 Kühe. Fleckvieh folgt mit 1.188.351 auf Platz 2. Braunvieh nimmt mit 181.461 Milchkühen den dritten Platz ein. Auf dem vierten Platz (139.075 Kühe) finden sich Kreuzungen (Fleischrind & Milchrind).

Quelle: destatis/ZMB

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