Tierseuchen

Dänemark macht zum Schutz vor ASP die Grenze dicht

Grenzzaun

Regierung kündigt Bau eines Wildzauns entlang der deutsch-dänischen Grenze an - Dieser soll die Einwanderung von möglicherweise infizierten Wildschweinen unterbinden und die Bestandsregulierung auf dänischer Seite erleichtern - Außerdem werden die Sanktionen für Verstöße gegen den Seuchenschutz verschärft - Heimische Schwarzwildpopulation soll deutlich intensiver bejagt werden


KOPENHAGEN. Im Kampf gegen eine mögliche Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) setzt jetzt auch die dänische Regierung auf Abschottung. Landwirtschaftsminister Esben Lunde Larsen kündigte am vergangenen Donnerstag (22.3.) den Bau von Wildzäunen entlang der Südgrenze und der wichtigsten Transitrouten sowie weitere Maßnahmen zum Schutz der heimischen Schweinebranche an. Konkret sollen auf der rund 70 km langen deutsch-dänischen Grenze Zaunanlagen mit einer Höhe von 1,5 m angelegt werden. Nach Angaben des Kopenhagener Agrarressorts soll der Straßenverkehr dadurch nicht behindert werden. Auch werde man weiterhin mit Hilfe von Gattern und Toren die Überquerung der „grünen Grenze“ in Übereinstimmung mit dem Schengen-Abkommen zulassen. Die Initiative erfordert jedoch noch die Zustimmung des dänischen Parlaments; ein entsprechender Antrag soll noch im April eingebracht und diskutiert werden. Larsen verwies auf die große Bedeutung des Schweinesektors für die dänische Wirtschaft; allein der Exportwert belaufe sich auf rund 4 Mrd Euro pro Jahr. Der Minister geht davon aus, dass die automatischen Handelssanktionen im Fall eines Seuchenausbruchs bis zu 1,5 Mrd Euro kosten könnten. Deshalb müsse alles getan werden, um eine Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Der geplante Zaun werde die Zuwanderung von Schwarzwild wirksam unterbinden und zugleich die Bejagung des Wildschweinbestandes auf dänischer Seite erleichtern. In der Industrie und beim landwirtschaftlichen Berufsstand rennt die dänische Regierung mit ihrer Initiative offene Türen ein. Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Dr. Robert Habeck kann dem Bau eines Grenzzauns allerdings wenig abgewinnen.
 
Weitere Maßnahmen geplant
Verschärft werden nach Angaben des Ministeriums auch die Sanktionen für Verstöße gegen die Seuchenhygiene. Eine unzureichende Säuberung von Tiertransportfahrzeugen oder die illegale Einfuhr von möglicherweise kontaminierten Lebensmitteln können damit deutlich härter bestraft werden als zuvor. Der von Larsen vorgelegte Maßnahmenkatalog umfasst außerdem eine deutlich intensivierte Bejagung der heimischen Schwarzwildpopulation. In Grenznähe soll der Bestand dem Vernehmen nach sogar vollständig ausgerottet werden. Vorgesehen sind auch die kostenlose Analyse der geschossenen Tiere, eine Intensivierung der bereits laufenden Informationskampagne zum Seuchenschutz und zum Umgang mit Lebensmittelresten in der Natur sowie verstärkte Kontrollen von Tiertransporten.
 
Extreme Verluste möglich

Der Dachverband der dänischen Land- & Ernährungswirtschaft (L&F) begrüßte den Maßnahmenkatalog der Regierung nachdrücklich und sicherte seine Unterstützung bei der Umsetzung zu. Auch er warnt vor extremen Verlusten für den Schweinesektor und die Gesamtwirtschaft, sollte nur ein Fall von Afrikanischer Schweinepest im Land nachgewiesen werden. Laut dem L&F-Veterinärexperten Jens Munk Ebbesen sind die Lebensmittelqualität und der ausgezeichnete Gesundheitsstatus des heimischen Schweinebestands die Garanten für den dänischen Exporterfolg bei Schweinefleisch und lebenden Tieren; deshalb dürfe beides keinesfalls gefährdet werden. Laut dem Dachverband exportiert das skandinavische Land rund 85 % der gesamten Schweineproduktion ins Ausland. Die Branche liefere einen Beitrag von rund 2,5 Mrd Euro zum dänischen Bruttosozialprodukt und biete 33 000 Menschen Arbeit. Auch der Vorstandschef von Danish Crown, Jais Valeur, lobte die angekündigten Schritte zur ASP-Prävention. Zwar sei der Bau eines Grenzzauns ein drastischer Schritt. Dieser sei aber nicht zuletzt zum Schutz Tausender Arbeitsplätze in der fleischverarbeitenden Industrie notwendig. Habeck bezweifelte deutschen Medien gegenüber den Sinn von Grenzzäunen und der Ausrottung des Schwarzwildbestandes, wenn die wichtigste Quelle für die ASP-Übertragung der Mensch sei. Die Abschottung und Bejagung sind daher nach seiner Ansicht unverhältnismäßig und greifen zudem in den natürlichen Wildwechsel der Region ein.
 
Auch Polen schottet ab
Polen drückt unterdessen beim eigenen Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest aufs Tempo. Der stellvertretende Landwirtschaftsminister Rafał Romanowski kündigte am vorletzten Freitag (16.3.) in Lublin noch für dieses Jahr den Baubeginn für einen eigenen Grenzzaun zur Abwehr infizierter Wildschweine aus den benachbarten Ländern im Osten an. Der Zaun soll entlang der gesamten polnischen Grenze zu Weißrussland und der Ukraine errichtet werden und eine Länge von rund 1 000 km erreichen. Laut Romanowski wird der Grenzzaun mit einer durchgängigen Höhe von 2 m errichtet und mindestens 0,5 m tief im Boden verankert, um ein Unterwühlen zu verhindern. Die in den nächsten drei bis vier Jahren dafür vorgesehenen Investitionen werden auf etwa 71,4 Mio Euro geschätzt. Zunächst soll der Zaun an den bekannten Wanderungsrouten der Wildschweine errichtet werden; in den kommenden Jahren sollen die dazwischenliegenden Lücken sukzessive geschlossen werden. Romanowski betonte die Notwendigkeit einer solchen Maßnahme. Eine Bejagung des Schwarzwildbestandes zur Minimierung des ASP-Risikos könne im Inland nicht erfolgreich sein, solange möglicherweise infizierte Tiere immer wieder über die Grenze nachrückten. Auch sei nicht damit zu rechnen, dass die benachbarten osteuropäischen Länder die Afrikanische Schweinepest in ihren Gebieten in absehbarer Zeit in den Griff bekommen.

Quelle: AgE

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