Deutsche Milchwirtschaft will offene Märkte nutzen

Melken

Beim heutigen (10.03.) Spitzengespräch des deutschen Milchsektors mit dem Bundesagrarminister Schmidt zeigte sich Einigkeit: Die deutsche Milchwirtschaft muss die Chancen der künftig offenen Märkte ausnutzen – und ausnutzen dürfen.

Ein breiter Konsens besteht zwischen Bundesministerium und dem deutschen Milchsektor darüber, dass die staatliche Regulierung der Milchproduktion in der Vergangenheit wichtige Ziele verfehlt hat. Das werde umso offensichtlicher, wenn man den zunehmenden Einfluss globaler Märkte auf den Milchsektor betrachte. Die darin liegenden Chancen müssen in zukunft stärker genutzt werden. Zu diesem Fazit kamen Vertreter des deutschen Milchsektors – Deutscher Bauernverband (DBV), Deutscher Raiffeisenverband (DRV), Milch Industrie Verband (MIV), Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) – im Gespräch mit Bundesminister Christian Schmidt bei einem heutigen Treffen in Berlin.

Der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes und Milcherzeuger Udo Folgart stellte im Austausch mit dem Minister klar: „Die Quote ist ein Relikt einer Agrarpolitik der Vergangenheit. Die deutschen Milchbauern begrüßen deshalb die Möglichkeit, ab April 2015 ihre Betriebe individuell weiterentwickeln zu können.“ Allein für das letzte Milchquotenjahr 2014/2015 sind europaweit Rekordstrafzahlungen für Überlieferungen der Quote in Höhe von 1 Mrd. Euro zu erwarten. Das gesamte Geld aus der Superabgabe müsse unbedingt für die Weiterentwicklung des europäischen Milchsektors genutzt sowie Liquiditätsengpässe der landwirtschaftlichen Betriebe verhindert werden, unterstrich Folgart.

Ernährungssektor ist auf zukunftsfähige Betriebe angewiesen – die nicht unnötig ausgebremst werden

„Die Bundesregierung ist gefordert, den gesamten Milchsektor beim Übergang zu liberaleren Märkten zu unterstützen. Es ist deshalb wichtig, Erzeuger, aber auch Verarbeiter, nicht mit neuen starren gesetzlichen Vorgaben zu konfrontieren. Der deutsche Ernährungssektor ist auf zukunftsfähige Betriebe angewiesen, die nicht unnötig ausgebremst werden sollten“, betonte der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes, Manfred Nüssel.

Jakob Ramm, Mitglied im Vorstand des Milchindustrieverbandes, verdeutlichte im Gespräch die grundsätzlich positiven Erwartungen der deutschen Milchwirtschaft für die kommenden Jahre: „Langfristige Trends zeigen uns, wie eine wachsende gesellschaftliche Mittelschicht in Schwellenländern, nicht zuletzt in China, die Nachfrage nach sicheren und hochwertigen Milchprodukten beflügelt. Wir sehen uns mit den deutschen Molkereien im weltweiten Wettbewerb gut aufgestellt.“

Auch DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer sieht „große Chancen für die Milchviehhalter durch den freien Milchmarkt. Frei von Quotenkosten können Strukturen weiterentwickelt und die Produktion modernisiert werden. Die europäische Milchproduktion verstärkt sich an den wettbewerbsfähigsten Standorten, zu denen sicher Deutschland gehört. Denn die Stückkosten seien hier niedrig und die Veredelung der Milch in wertvolle Produkte für nationale und globale Märkte gelinge durch einen leistungsfähigen nachgelagerten Bereich. „Made in Germany“ wird auch bei Milchprodukten ein globaler Renner“, ist sich Bartmer sicher. (DRV)
 

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