Wenn die Silage nach Klebstoff riecht

Silo

Es häufen sich Berichte über atypische Gerüche in Silagen. Diese werden als unangenehm stechend, dumpf oder klebstoffartig beschrieben. Die Kühe selbst reagieren mit Futterverweigerung, geben weniger Milch und werden krank.

Mittlerweile ist bekannt, welche Stoffe in den betroffenen Silagen für dieses Phänomen verantwortlich sind: Unter anaeroben Bedingungen können Milch- und Essigsäure mit Ethanol zu Ethylester (z. B. Ethyllactat, Ethylacetat) reagieren. Deren Geruch erinnert an Klebstoff oder Nagellackentferner. Warum diese Umsetzungen stattfinden, kann noch nicht sicher beantwortet werden. Das Problem ist, dass allem Anschein nach gut vergorene Silagen mit hoher Verdichtung scheinen jedoch eher betroffen zu sein als Silagen minderer Qualität, so berichtet Dr. Sabine Rahn im agravis Newsletter.

Hefen aus dem Silo raushalten

Tritt dieses Phänomen in Silagen auf, sinkt die Futteraufnahme drastisch bis hin zur Futterverweigerung. Mitunter wird dann empfohlen,

  • betroffene Silagen „auslüften“ zu lassen, denn diese Substanzen sind flüchtig und gasen aus.
  • Einen Puffer in Form eines Mineralfutters der Ration zuzugeben, denn ein Puffer kann sich positiv auf den Geschmack auswirken und die Futteraufnahme so stabilisiert.

Diese Empfehlungen helfen zwar, können aber das Problem der mangelhaften Fütterungseignung betroffener Silagen nicht vollständig lösen. Besser ist es, das Silagemanagement so zu gestalten, dass sich erst gar keine Ester bilden. Das bedeutet, dass die Silage-Mikroorganismen kontrolliert werden, die für die Entstehung der jeweiligen Ausgangssubstanzen verantwortlich sind. Anhand bisheriger Untersuchungen ist bekannt, dass es sich überwiegend um Ethyllactat aus Milchsäure und Ethanol handelt.

  • Milchsäure wird von Milchsäurebakterien gebildet. Milchsäure ist nicht nur erwünscht, die Säure ist sehr wichtig für eine verlustarme Silierung (deshalb enthalten auch sehr viele Siliermittel Milchsäurebakterien!).
  • Ethanol ist ein Stoffwechselprodukt der Hefen. Das bedeutet, dass seine Entstehung durch Kontrolle des Hefewachstums vermieden werden kann.
Hefen gelangen immer mit dem Futter in das Silo und können sich je nach Einlagerungsbedingungen und Silagemanagement dort mehr oder weniger stark vermehren. Während sie anfangs noch unter Anwesenheit von Restsauerstoff Zucker zu Kohlendioxid und Wasser veratmen, schalten sie nach Erreichung anaerober Verhältnisse ihren Stoffwechsel in alkoholische Gärung um. Es entsteht Ethanol. Da Hefen Sauerstoff für ihre Vermehrung brauchen, bedeutet das im Klartext, dass alle Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit möglichst wenig Sauerstoff in den Silostock gelangt:

  • zügiges Einlagern und ausreichendes Verdichten, besonders in den Rand- und oberen Schichten,
  • sofortiges luftdicht zudecken des Siliergutes (Unterziehfolie nicht vergessen!),
  • Lufteinfluss während der Lagerung unterbinden durch sorgfältiges Abdecken, einen ausreichenden Vorschub bei der Entnahme, Verzicht auf auflockernde Entnahmegeräte (z.B. Schaufel).
  • Einbringen Hefe hemmder Substanzen beim befüllen des Silos.
Quelle: agravis

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