Holstein / Genetik

Genetische Mutation erhöht Kälbersterblichkeit

vit

In der Holstein Population wurde eine neuer Gendefekt festgestellt. Alle Kälber die homozygote Träger des Defekts sind, können kein Fett aus der Nahrung aufnehmen und sterben spätestens nach sechs Monaten. Die Kälber zeigen unheilbaren Durchfall, bei dem sich keine Erreger nachweisen lassen.

Eine Forschungsgruppe des vit in Verden, des Tierzuchtinstituts Kiel, der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover sowie der TU München hat eine genetische Disposition bei Rindern der Rasse Holstein entdeckt, die einen gestörten Fettstoffwechsel verursacht und so zu erhöhten Kälberverluste führt.

Anlass für die Untersuchungen dazu gab es, da in der Vergangenheit in Praxisbetrieben vermehrt Kälber auffielen, die eine unzureichende Entwicklung verbunden mit Appetitlosigkeit und zunehmendem Kräfteverfall sowie Durchfall-Symptomen aufwiesen und deren Zustand sich trotz intensiver tierärztlicher Bemühungen nicht verbesserte. Auffällig war dabei, dass es sich häufig um Kälber mit ähnlicher Abstammung handelte. So sei der Ausgangspunkt gewesen, dass zwei sehr wertvolle genetisch identische Embryonen in zwei verschieden Milchviehbetrieben übertragen wurden und beide im Kalbesalter auf unerklärliche Weise an Durchfall verstarben. 

Die genetische Mutation verursacht, dass die homozygoten Träger-Kälber nicht in der Lage dazu sind Fett aus der Nahrung zu absorbieren. Das Milchfett bzw. Futterfett verbleibt im Darm und verursacht so die Durchfall-Symptome. Das betroffene Kalb ist dazu gezwungen alle im Körper vorhandenen Fettreserven aufzubrauchen, selbst aus dem Knochenmark. Am Ende folgt der Tod. Bei der Sektion auf diese Weise verendeter Kälber habe sich herausgestellt, dass sie einen Cholesterinwert von Null hatten. Auch bei heterozygoten Träger-Kälbern konnten geringere Cholesterinwerte gemessen werden.

Maughlin Storm ist Träger der Mutation

Basierend auf den Möglichkeiten der Genomanalyse, die verbesserte Erkenntnisse über die Vererbung bei Rindern liefert, wurde ein Abschnitt im Erbgut (Haplotyp) identifiziert, der mit erhöhter Kälbersterblichkeit einhergeht. Ebenfalls ermittelte die Gruppe eine Beziehung zwischen der entdeckten, veränderten Genomregion und einem gestörten Cholesterinstoffwechsel. Verwandtschaftsanalysen ergaben, dass der einflussreiche nordamerikanische Bullenvater Maughlin Storm Träger dieser Mutation ist. Durch seinen intensiven Einsatz und den seiner Nachkommen (z.B. Goldwyn) konnte sich diese Mutation über mehrere Generationen international in nahezu allen Holstein Populationen verbreiten.

Mit Hilfe eines aus den Erkenntnissen entwickelten Haplotypen-Tests lässt sich mit ca. 80 %iger Sicherheit vorhersagen, welche Tiere eine erbliche Veranlagung für diese Erkrankung aufweisen. In der deutschen Holsteinpopulation ergab das nach Auswertungen des vit, dass rund acht Prozent Anlageträger des Stoffwechseldefkts sind. Daraus ergebe sich, dass rund 0,16% der aktuell geboren Kälber die Mutation homozygot tragen, erkranken und in der Folge sterben.

Bullen, die Träger des Gendefekts sind, sollen nicht mehr eingesetzt werden

Die Anpaarung identifizierter Anlageträger kann durch Nutzung der Haplotypen-Information vermieden werden. Dies stellt eine Maßnahme dar, Kälberverluste zu vermindern. Mit Hilfe moderner Methoden zur Analyse der Genominformationen arbeite die Forschungsgruppe  derzeit an der Identifikation der ursächlichen Mutation, um die Sicherheit der Trägervorhersage zu erhöhen, heißt es in der Presse-Meldung der Forschungsgruppe.

Die Ergebnisse wurden am vergangenen Wochenende (11. und 12. Juli) auf der Interbull-Tagung in Orlando, Florida (USA) vorgestellt, um das weitere Vorgehen auf internationaler Ebene abzustimmen. Weitere Details finden Sie hier. Es wurde angekündigt, dass im Laufe dieser Woche eine vollständige Liste mit allen vom Gendefekt betroffenen Bullen auf der vit-Homepage veröffentlicht werde.

Für weitere Informationen steht Dr. Rensing von vit, Verden (stefan.rensing@vit.de) als Ansprechpartner zur Verfügung.

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