Kennzahlen zum Antibiotikaeinsatz diskutiert

Antibiotika
Tierhalter sollen ihren Antibiotikaeinsatz nun besser einordnen können.

Am 1. April 2015 hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zum ersten Mal die Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit von Antibiotika bei Masttieren veröffentlicht.

Für den Bereich Schwein ergaben sich folgende Werte:
Ferkel bis 30 kg: Kennzahl 1: 4,793, Kennzahl 2: 26,191
Mastschweine über 30 kg: Kennzahl 1: 1,199, Kennzahl 2: 9,491

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat diese erste Veröffentlichung der Kennzahlen sehr begrüßt. Er sprach anlässlich der Bekanntgabe der Zahlen vom „nächsten Meilenstein, um den Antibiotikaeinsatz kontinuierlich zu reduzieren“. Mit den Kennzahlen werde die Richtschnur für einen zurückhaltenden Gebrauch von antibiotikahaltigen Tierarzneimitteln gelegt.
Zufrieden zeigte sich auch der Präsident des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (bpt), Dr. Hans-Joachim Götz. „Zusammen mit den seit 2012 vierteljährlich erhobenen Daten aus dem privatwirtschaftlichen Antibiotikamonitoring der QS Qualität und Sicherheit GmbH ist nun die systematische Erfassung der Anwendung von Antibiotika in der Nutztierhaltung in Deutschland auf hohem Niveau etabliert und sorgt für maximale Transparenz“, erklärte der bpt-Präsident.
 
Mess- und Vergleichsprozess
Mit der vor Jahresfrist in Kraft getretenen 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes sind Tierhalter ab einer bestimmten Größe verpflichtet, Daten zur Ermittlung der „betrieblichen halbjährlichen Therapiehäufigkeit“ zu erheben und an die zuständigen Behörden zu übermitteln. Die Ämter haben für jeden zur Meldung verpflichteten Mastbetrieb - bezogen auf die Tierarten Rind, Schwein, Pute und Huhn - die jeweilige betriebliche halbjährliche Therapiehäufigkeit ermittelt und dem Tierhalter für den Zeitraum 1. Juli 2014 bis 31. Dezember 2014 mitgeteilt. Aus den von den Behörden übermittelten Einzeldaten der Betriebe wurden dann vom BVL die Kennzahlen für die jeweilige bundesweite Therapiehäufigkeit ermittelt, die letzte Woche im Bundesanzeiger veröffentlicht worden sind. Dieser Mess- und Vergleichsprozess, an den sich Antibiotikaminimierungsmaßnahmen anschließen, wiederholt sich halbjährlich, damit sich eine Minimierung der Therapiehäufigkeiten ergibt. Die nunmehr erstmalige Bekanntmachung richtet sich an den Tierhalter und die zuständigen Arzneimittelüberwachungsbehörden. Die bundesweiten Kennzahlen ermöglichen ihnen, die betriebsindividuellen halbjährlichen Kennzahlen mit den jeweiligen bundesweiten Therapiehäufigkeitskennzahlen zu vergleichen und einzuordnen.
 
Als Kennzahl 1 veröffentlicht das BVL den Median. Das ist der Wert, unter dem 50 % aller erfassten Therapiehäufigkeiten liegen. Kennzahl 2 ist das dritte Quartil. Hierbei handelt es sich um den Wert, unter dem 75 % aller erfassten Therapiehäufigkeiten liegen. Tierhalter sind gemäß Arzneimittelgesetz verpflichtet, ihre betriebsindividuelle Kennzahl, die ihnen von der Überwachungsbehörde mitgeteilt wurde, mit den jeweiligen bundesweiten Kennzahlen zu vergleichen. Dafür haben sie jetzt Zeit bis zum 31. Mai 2015. Liegt der Betrieb über dem Median aller Betriebe, muss der Tierhalter zusammen mit seinem Tierarzt die Ursachen dafür ermitteln und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen, die zur Reduzierung der Antibiotikaverwendung führen. Sofern der Betrieb mit seiner betriebsindividuellen Kennzahl über dem dritten Quartil liegt, muss der Tierhalter innerhalb von vier Monaten nach Veröffentlichung der bundesweiten Kennzahlen zu den Therapiehäufigkeiten im Bundesanzeiger, also bis zum 31. Juli 2015, einen schriftlichen Maßnahmenplan zur Senkung des Antibiotikaeinsatzes erarbeiten und diesen der zuständigen Überwachungsbehörde vorlegen. Die Behörde kann Änderungen anordnen und weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Hygiene, der Gesundheitsvorsorge oder der Haltungsbedingungen verlangen. Im Extremfall kann sogar das Ruhen der Tierhaltung angeordnet werden.
 
„Wir wollen nicht Einzelne stigmatisieren, sondern insgesamt runter mit der Antibiotikalast“, betonte Schmidt. Das Vergleichssystem schaffe die erforderlichen Voraussetzungen für gezielte Maßnahmen in den Betrieben und eine Kontrolle durch die zuständigen Behörden. Die Veröffentlichung der Kennzahlen sei ein wichtiger Schritt zu einem verbesserten Verbrauchervertrauen zur landwirtschaftlichen Nutztierhaltung.
 
Für bpt-Präsident Götz ist das mit der Novelle des Arzneimittelgesetzes (AMG) eingeführte Vergleichsverfahren „der richtige Ansatz, um den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung nachhaltig zu reduzieren und damit das Risiko der Entstehung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen zu minimieren“. Allerdings, so Götz, müssten die von tierärztlicher Seite angeratenen Maßnahmen auch umgesetzt werden. Hierfür sei sicherzustellen, dass die Minimierungskonzepte von den Überwachungsbehörden fachlich geprüft und flächendeckende Kontrollen in den landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt würden.
(AgE)
 
 

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