Vorwurf: "Milchkuh-Doping" durch Kexxtone

Kexxtone-Bolus

Hersteller Elanco hat erstmals Verkaufszahlen für das Medikament Kexxtone herausgegeben. Greenpeace wirft den Milchviehhaltern nun flächendeckendes "Kuh-Doping" vor. Tierärzte können die Vorwürfe nicht bestätigen.

Elanco hat im Jahr 2014 nach eigenen Angaben 70.179 Einheiten des Tierarzneimittels Kexxtone verkauft. Ausgehend von rund 4,2 Millionen Milchkühen in Deutschland, haben demnach 1,63% Prozent der Tiere das verschreibungspflichtige Mittel erhalten. Kexxtone ist zugelassen zur Behandlung von Risikotieren, die nach der Kalbung wahrscheinlich an der Stoffwechselkrankheit Ketose erkranken (z.B. zu hoher Body Condition Score vor der Kalbung).

Kritiker werfen Milchviehhaltern nun vor, dass Zehntausende Milchkühe durch Kexxtone das Antibiotikum Monensin erhalten hätten, obwohl sie gesund gewesen seien. Martin Hofstetter von Greenpeace sieht in dem Medikament lediglich die Möglichkeit, eine Tierhaltung fortzuführen, welche die Tiere chronisch krank mache. Zudem bestünde die Gefahr, dass Landwirte ihre Kühe "dopen". Kexxtone wirkt durch eine Verschiebung der Mikrobenflora im Pansen und kann daher zu einer höheren Milchleistung führen. Ketose ließe sich durch Fütterung und Management auch ohne ein solches Medikament behandeln. Nach Auslaufen der Milchquote könnten nun immer mehr Landwirte die Milchleistung ihrer Kühe künstlich in die Höhe treiben. NRW-Landwirtschaftsminister Remmel schlägt in die gleiche Kerbe und fürchtet häufigere Antibiotika-Resistenzen.

Hersteller weist Vorwürfe zurück

Kexxtone-Hersteller Elanco widerspricht den Vorwürfen von Greenpeace. Die Verkaufszahlen zeigten, dass Tierärzte und Landwirte verantwortungsvoll mit dem Mittel umgingen. An Ketose erkrankte Kühe weisen eine reduzierte Milchleistung auf, die lediglich auf das Niveau einer gesunden Kuh zurückgeführt werde.

Auch der deutsche Bauernverband wehrt sich gegen die Missbrauchsvorwürfe. Der DBV wies darauf hin, dass das in dem Bericht als „völlig überflüssig“ kritisierte Mittel Kexxtone seit 2013 für den deutschen Markt zugelassen und verschreibungspflichtig durch den Tierarzt sei. Das Medikament werde nur nach genauer Einzelprüfung des Gesundheitszustandes der Kuh gegeben. Demgegenüber sei der Einsatz von Antibiotika als Leistungsförderer in der EU seit 2006 generell verboten. Die Forderung von Greenpeace, Kexxtone zu verbieten, weil es „überflüssig“ sei und es auch andere Behandlungsmethoden gebe, wies der DBV als „arrogant und unverantwortlich“ zurück. Niemand sollte in Frage stellen, dass für Krankheiten immer eine möglichst breite Palette von Therapien und zugelassenen Medikamenten zur Verfügung stehen sollte. Der DBV wirft Greenpeace Panikmache vor. Die Verbesserung der Milchleistung in den letzten Jahrzehnten sei durch besseren Kuhkomfort zusammen mit züchterischen Fortschritt erreicht worden.

Tierärzte sehen keine große Nachfrage

Auch die Tierärzteschaft ist der Meinung, dass Ketose in erster Linie durch Herdenmanagement und Fütterung zu vermeiden sei. Praktische Tierärzte wie Dr. Frajo Siepelmeyer schätzen aber derzeit die Gefahr eines missbräuchlichen Einsatzes gering ein. "Meiner Erfahrung nach wird Kexxtone sehr verhalten eingesetzt. Tierärzte und Landwirte haben sehr wohl erkannt, dass künftig der Antibiotikaeinsatz in der Rinderhaltung weiter reduziert werden muss. Außerdem haben sie die Erfahrung gemacht, dass der Einsatz bei gesunden Kühen keinen Nutzen bringt, sondern lediglich Kosten verursacht. Die Betriebe müssen derzeit sparen, der vorbeugende Einsatz der teuren Boli würde sich rein wirtschaftlich nicht lohnen." Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens GfK sind die Verkaufszahlen von Kexxtone in diesem Jahr sogar rückläufig.

Den Artikel der Süddeutschen Zeitung finden Sie hier, die Fernseh-Berichte von NDR (Link) und WDR (Link) sind ebenfalls hinterlegt.

Quellen: AGE, eigene Informationen

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