Neues Konzept gegen Rindergrippe

Dr. Mertens
Tierarzt Dr. Albert Mertens rät bei Rindergrippe, konsequent und nach Behandlungsplan zu agieren. Foto: Will

Ceva hat ein neues Präparat gegen Rindergrippe vorgestellt. Das Kombipräparat aus Meloxicam und Florfenicol wird einmal gepritzt (1ml/10 kg Körpergewicht), soll innerhalb einer Stunde nach Applikation wirken und bis zu 7 Tage wirksam sein. Ein Interview mit Dr. Albert Mertens, Tierärztliche Praxis Ottersberg.

Was tun Sie vorbeugend gegen Rindergrippe und im Umgang mit erkrankten Tieren?

Rindergrippe ist kein isoliertes Erregerproblem, sondern eine multifaktorielle Erkrankung. Wenn wir Stress von den Rindern fernhalten, das Immunsystem stärken und einen vernünftigen Tränkeplan haben, dann ist die Wahrscheinlichkeit für ein Kalb, an Grippe zu erkranken, relativ gering. Es sei denn, da geht ein Virus durch den Stall, gegen den wir uns alle nicht schützen können. Der entscheidende Faktor ist aber das Management. Kommt es doch zur Erkrankung, impfen wir zuerst in die Nase und entscheiden dann über die antibiotischeTherapie.

Welche Erwartungen haben Sie an Arzneimittel zur Behandlung der Kälbergrippe?

Wenn Kälber Fieber haben, husten und apathisch sind, sind sie bereits schwerstkrank. Dann ist es wichtig, dass sie möglichst schnell wieder Normaltemperatur bekommen und wieder Tränke aufnehmen. Außerdem müssen wir die Erreger möglichst schnell mit einem langwirksamen Antibiotikum bekämpfen. Eine Lunge verzeiht nicht viele Grippeschübe! Aus chronisch kranken Tiere wird niemals eine vernünftige Milchkuh werden. Deshalb nehmen wir das so ernst. Antibiotisches Pulver über die Tränke zu verabreichen, bringt nicht viel, denn: Kälber, die krank sind, trinken ohnehin nicht. Deswegen brauchen wir eine Strategie, schnell klinische Besserung und die Heilung einzuleiten. Ich setze dann auf langwirksame Antibiotika.

Welche sind die häufigsten Fehler bei der Therapie von Rindergrippe?

Nicht konsequent genug gehandelt und kein Behandlungsplan auf den Betrieben! „Chronische“ Huster findet man vermehrt in Betrieben mit starken Managementproblemen. Diese Kälber sind ein Indikator für schlechtes Management. Wir brauchen für jeden Betrieb einen individuellen Plan. Jeder Betrieb ist für uns ein Universum. Daher habe ich für einen Betrieb mit chronischen Erkrankungen einen anderen Plan als für einen, bei dem es besser läuft. Da würde ich bei 150 Kälbern im Jahr vermutlich mit zwei Flaschen langwirksamen Antibiotikum auskommen, zum Beispiel mit Zeleris.

Was sind Ihre Erfahrungen in Bezug auf Wirkung und Praktikabilität von Zeleris?

Der Vorteil von Zeleris ist, dass es nur einmalig gespritzt werden muss. Der Wirkstoff des Entzündungshemmers Meloxicam ist für uns interessant, weil er eine längere Wirksamkeit (3 Tage) hat als in dem anderen Kombipräparat (2 Tage). Das ist wichtig, um das Kalb schnell wieder zum Trinken zu bekommen. Der Wirkstoff hält länger an und man muss nicht öfter nachspritzen. Deswegen ist mit einer einmaligen Behandlung auch der Stress für das Kalb deutlich geringer.

Bearbeitet: Oehler

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