Elite Herdenmanagement-Konferenz

Neues Wissen to go!

Konferenz Melle

Zu unserer 5. Herdenmanagement-Konferenz kamen mehr als 300 Teilnehmer nach Ottobeuren, Bayern, und Melle, Niedersachsen. Die internationalen Referenten gaben spannende Einblicke u.a. in die Bereiche Fruchtbarkeit, Antibiotika-freie Milchproduktion und Kälbergesundheit.

Ein kleiner Auszug aus den Vorträgen: Wir haben einige besondere Kernaussagen der Referenten Prof. Ronaldo Cerri, Dr. Heinz Janowitz und Prof. Dr. Wolfgang Heuwieser für Sie zusammengefasst.

Starke Brunstsymptome - hohe Trächtigkeitsraten

Brunstsynchronisation: "Selektive Programme" ist das neue Stichwort, so Prof. Ronaldo Cerri (Universität British Columbia). Dahinter steckt, dass bei diesem Programm nur die Kühe in ein Synchronisations-Programm einsteigen, die vorher als "kritisch" in Punkto Fruchtbarkeit identifiziert werden.

Diese Selektion kann mithilfe der Aktivitätsmessung erfolgen. Denn Cerri konnte nachweisen, dass Kühe, gleich wie hoch ihr Leistungspotenzial ist, bei starken Brunstsymptomen eine deutlich höhere Trächtigkeitsrate zeigen als Kühe mit einer schwächeren Brunstausprägung. Deshalb empfiehlt er, nur die Kühe zu synchronisieren, die in den ersten Brunsten nach der Kalbung wenig Aktivität zeigen. Zukünftig möchte er diese Zusammenhänge direkt in den Herdenmanagement-Programmen hinterlegen.

Es gibt eigentlich nur zwei Krankheiten: Milchfieber und Ketose

Der praktizierende Tierarzt Dr. Heinz Janowitz (Lübbecke, NRW) widmete sich einer Frage, vor der viele Milchkuhhalter stehen: Warum erreichen die Kühe nicht die 11.000 kg Milch im Herdenmittel? Ursachen sieht Dr. Janowitz in seinem Praxisalltag insbesondere darin, dass viele Kühe nicht die ihnen genetisch möglichen Peakleistungen erreichen, ihre Persistenz unzureichend ist, die Färsen Stress in der Eingliederungsphase haben und viele Kühe die Betriebe einfach zu früh, vor dem Erreichen der 3. Laktation, verlassen.

Zur Selbstkontrolle: Bei 11.000 kg im Herdenschnitt muss ein Milchpeak von 49 bis 52 kg Milch erreicht werden (zwischen dem 50. und 60. Laktationstag). Zur Persistenz: ab Tag 150 im Milch dürfen die Kühe 100 g Milch pro Tag weniger geben, sollten aber dann nicht mehr als 3 kg pro Monat verlieren.

Klappt das nicht? Neben dem Stalldesign (Stichworte: Kuhkomfort Liegen und Laufen), fehlender Überbelegung, einer Färsengruppe, einem Erstkalbealter von nicht mehr als 24 Monaten (Holstein) und hochwertigem Grundfutter nannte Dr. Janowitz die Prophylaxe von Milchfieber und Ketose als notwendig umzusetzende Ansätze. Gerade die beiden Stoffwechselerkrankungen seien kritisch, da in der Praxis oft noch zu wenig im Griff. Sie bereiten sämtlichen Folgeerkrankungen und Fruchtbarkeitsproblemen den Weg und kosten Milch im Peak und Persistenz. Janowitz empfiehlt Milchkuhbetrieben daher, sich intensiv der richtigen Versorgung der Trockensteher und Transitkühen zu widmen. Dazu gehört neben angemessenen Rationen, der Kontrolle von BCS und Trockenmasseaufnahme auch ein Freshcow-Monitoring, um die Situation der Kühe zu kennen.

Ärgern Sie sich manchmal darüber, wie Ihre Mitarbeiter die Arbeit erledigen?

Dann sind Sie unter Milchkuhhaltern nicht alleine! 81% der Milcherzeuger ärgern sich manchmal darüber, dass Mitarbeiter die Arbeit nicht so erledigen, wie sie es für richtig halten. Prof. Dr. Wolfgang Heuwieser (FU Berlin) und Team fanden dies vor zwei Jahren in einer Umfrage heraus und widmeten sich seit dem intensiv der Aufgabe, Wege zu finden, dieses Problem mit seinen Konsequenzen auf den Milchkuhbetrieben aus dem Weg zu räumen.

Ihr Lösungsansatz: Standardisierte Arbeitsanweisungen (SOPs) mit wenig Text und vielen Bildern. Wichtig für die Motivation der Mitarbeiter sei es, dass die SOPs gemeinsam mit den Mitarbeitern erarbeitet werden, da niemand gerne einfach etwas "vorgesetzt" bekommt. Ebenso, dass Arbeitsanleitungen tatsächlich aufgezeichnet werden ("Schwarz-auf-Weiß-Effekt") und regelmäßig überprüft und angepasst werden.

Prof. Heuwieser führt derzeit eine Pilotstudie durch, in der Milchkuhhalter und deren Mitarbeiter fünf von ihm und Team entworfene Arbeitsanweisungen auf ihre Praxistauglichkeit und Anwendbarkeit testen. Wichtiger Effekt von SOPs sei es, neben der Ermöglichung von gleichbleibenden Arbeitsabläufen auch Transparenz zu schaffen.

Eine Zusammenfassung aller Vorträge (auch des amerikanischen Milchkuhhalters Lloyd Holterman, der seit mehr als 53 Monaten ohne Antibiotika bei melkenden Kühen auskommt) finden Sie demnächst bei Elite!

Text: Ostermann-Palz, Berkemeier

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