Niedersachsen will an Ringelschwanzprämie festhalten

Ringelschwanz
Trotz Kritik von Seiten der Landwirte und negativer Versuchsergebnisse will Niedersachsen an der Ringelschwanzprämie festhalten. (Foto: Kremling)

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium will trotz Kritik weiter an seiner Ringelschwanzprämie für nicht kupierte Schweineschwänze festhalten. Ministeriumssprecher Klaus Jongebloed bestätigte vergangene Woche gegenüber Agra-Europe, dass das Projekt noch in diesem Jahr starten werde, sofern die auch aus EU-Töpfen stammenden Mittel für den Tierprämienfonds genehmigt seien.
 
Vorwürfen, das Vorhaben würde wegen mangelnder Praxisreife das Tierleid vergrößern, trat Jongebloed entschieden entgegen. Betriebe, die an dem Ringelschwanzprojekt teilnähmen, würden umfassend beraten und wissenschaftlich begleitet, sodass es eine intensive Kontrolle gebe. Sollten Schwierigkeiten mit dem Schwanzbeißen im Bestand auftreten, „würde rechtzeitig dazwischen gegangen“.
 
Angesprochen auf die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) unter Leitung von Prof. Thomas Blaha, nach denen lediglich 24 % der unkupierten Tiere mit voller Schwanzlänge an den Schlachthof geliefert wurden, wiederholte Jongebloed seine Einwände bezüglich des wissenschaftlichen Vorgehens. Das Versuchsdesign sei z.B. „suboptimal“ gewesen, da eine Reduzierung der Besatzdichte nicht erfolgt aber dieser Einflussfaktor wichtig sei.
 
Der Ministeriumssprecher wies drauf hin, dass sich Blaha in Kenntnis der Ergebnisse nicht für eine Beendigung des Projektes ausgesprochen habe, sondern dafür, in Verbindung mit Schulungen und Beratungen mit kleinen Gruppen von Schweinen unter optimierten Haltungsbedingungen mit dem Ausstieg aus dem Schwänzekupieren zu beginnen und dafür Akzeptanz bei den Landwirten zu schaffen.   
 
ISN übt Kritik
Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) bekräftigte indes ihre Kritik an dem Ringelschwanzprämienprojekt und verurteilte insbesondere das Infragestellen der eindeutigen Studienergebnisse durch das Landwirtschaftsministerium. Die ISN stellte fest, dass die Reduzierung der Besatzdichte von vorneherein nicht geplant, sondern Gegenstand einer Parallelstudie gewesen sei. Deren Ergebnisse seien aber immer noch nicht veröffentlicht, wohlmöglich weil sie nicht im Sinne von Landwirtschaftsminister Christian Meyer ausgefallen seien.
 
Die Vorwürfe eines unzureichenden Versuchsdesigns seien „völlig haltlos“, erklärte ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Diese dienten lediglich dazu, die eindeutigen Resultate der Studie in Misskredit zu ziehen. „Ergebnisse, die nicht in die Ideologie des Ministers passen, werden in den Dreck gezogen“, so Staack.

 

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