SUS 2/2015

Ringelschwanz nicht mit der Brechstange!

Fred Schnippe
Fred Schnippe, Redaktion SUS

Beim Thema Schwänzekupieren platzt vielen Schweinehaltern inzwischen der Kragen. So vergeht kaum ein Tag, an dem Tierschützer oder grüne Politiker nicht den sofortigen Ausstieg aus dem Kupieren der Ferkelschwänze fordern.
Dabei zeigen rund 20 Studien zum Kupierverzicht übereinstimmend: Wer die Ferkelschwänze lang lässt, muss mit deutlich mehr Schwanzbeißen rechnen.
So kamen in einer jüngst veröffentlichten Studie aus Niedersachsen mehr als 70  % der Tiere mit verletzten Schwänzen an den Schlachthof. Jeder an- oder ab­­gebissene Schwanz bringt großes Leid für die Tiere!
Klar ist auch: Schwanzbeißen ist nicht nur eine Frage der Haltung. Selbst deutlich mehr Platz in der Bucht und zusätzliche Gaben von Raufutter oder Stroh können das Phänomen nicht sicher verhindern. Daher kann Schwanzbeißen auch in Biobetrieben auftreten.
Den niedersächsischen grünen Agrarminister Christian Meyer schert das wenig. Noch immer hält er trotz mahnender Worte von Fachleuten an seinem Plan für eine Ringelschwanz-Prämie fest. Das massive Auftreten von Schwanzbeißen nimmt er in Kauf. Das ist provozierte Tierquälerei auf Kosten des Steuerzahlers!
Trotz dieser Auswüchse müssen sich die Schweinehalter dem Kupier-Verzicht stellen. Denn der gesellschaftliche und politische Druck ist groß. Was muss also geschehen, damit wir das Thema in den Griff bekommen?
Zunächst müssen Fachleute und Praktiker verständlich erklären, dass es derzeit kein Allheil­mittel gegen Schwanzbeißen gibt.
Die Politik muss sich in das komplexe Thema einarbeiten und den sachlichen Dialog mit der
Praxis suchen. Ein fester Ausstiegstermin für das Kupieren wäre jetzt absolut kontraproduktiv.
Die Forschung muss besser koordiniert werden. Ideal ist ein Portal, in dem alle Ergebnisse abrufbar sind.
Alle Versuche und Studien zum Ringelschwanz sind zu veröffent­lichen. Auch wenn die Ergebnisse grünen Politikern nicht passen.
Ab Seite 10 zeigt SUS die Ergebnisse der lange unter Verschluss gehaltenen zweiten Studie aus
Niedersachsen. Auch hier trat massives Schwanzbeißen auf. 12  % der Tiere verendeten bzw. mussten auf Rat des Tierarztes euthanasiert werden. Tierschutz sieht anders aus!

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