Fleckvieh-Zuchtwertschätzung April 2015

"Sind sie schee!"

Iserschee

Die April-Zuchtwertschätzung bringt keine stürmischen Veränderungen und stabilisiert den Status der Altvererber. Die Neueinsteiger zeichnen sich meist durch ausgeglichene Merkmalsbereiche ohne zu große Extreme aus – auch wenn manche Namen außerhalb Bayerns erst einmal für Rätselraten sorgen werden.

Neue Bullenväter in Aussicht

Auf väterlicher Seite kommt frischer Wind auf: In der anstehenden Besamungsperiode könnten interessante Neueinsteiger die Dominanz von Winnipeg in Frage stellen. Auffällig sind dabei die ersten Söhne von Rumgo und Resolut. Iwinn (Resolut, MV: Winnipeg; nicht zu verwechseln mit dem Namensdouble aus Bayern) war lange Zeit Listenführer bei den genomischen Vererbern. Nachdem nun weitere Prüfergebnisse vorliegen, ergeben sich sehr gute Werte in allen funktionalen Bereichen. Leider hat er von seinem Vater die Anlage zu Thrombopathie (Störung der Blutgerinnung/Bluter) mitbekommen.

Ihm folgt mit dem Rumgo-Sohn Vogt (MV: Herich) der nächste Neuling, der von seinem Vater eine unerwünschte Besonderheit im Doppelpack (Thorombopathie und FH2/Minderwuchs) erhielt. Besonders schade, da er einen tadellosen Prüfbericht vorweisen kann: Seine Töchter übertreffen den Euterzuchtwert des Vaters um Längen. Ein Einsatz dieser beiden Bullen muss darum jedoch mit Bedacht erfolgen.

Bei Iserschee (V: Resolut) gilt der Spruch: „Nomen es Omen“, da nicht nur der Bulle selber ein gutes Bild abgibt, sondern auch seine Töchter. Der Fundamentzuchtwert ist auf höchsten Niveau. Seine typisch bayerische Namensgebung erfordert außerhalb der Sprachgrenze sicherlich etwas Übung.

Die alte Fleckviehlinie Egmar wird über Ermut weiter Bestand halten. Ermut-Sohn Erzfeind*TA (MV: Waterberg) ist einer der großen Gewinner der Schätzung im April. Im Mengenzuchtwert ist er mit +1259 kg Listenführer, weist allerdings negative Inhaltsstoffe auf. Seine Anpaarung empfiehlt sich auf rahmige Kühe mit guten Eutern. Othello ist unter den Hupsol- Söhnen der Leistungsstärkste, wenn auch der Milchwert mit 113 nicht mit der Spitzengruppe mithalten kann. Im Euterzuchtwert ist er der Shootingstar, da er bei 30 bewerteten Töchtern um zehn Punkte gestiegen ist. Er empfiehlt sich auch zur Anpaarung auf kleinere Kühe.

1 Die besten Neueinsteiger nach GZW bei den geprüften Vererbern*
Bullenname Vater gGZW Sicherheit GZW in % Station
Iwinn Resolut 132 88 RBW
Vogt Rumgo 132 90 CRV/Genostar
Iserschee Resolut 126 84 Neustadt/A.
Erzfeind*TA Ermut 126 84 BayernGenetik/Bauer
Othello Hupsol 126 83 Genostar
*mindestens 75 % Sicherheit im GZW, mindestens 20 Töchter mit Exterieurbewertung

Gewinner durch Euterqualität und Nutzungsdauer

Mit einem Zuchtwert-Plus von fünf Punkten konnte Zapfhahn*TA als einer der Besten seines Jahrgangs aufwarten. Zwar wurde er Bullenvater eingesetzt,  stand aber nach seinem Prüfeinsatz eher im Schatten seines Halbbruders Zauber. Mit hervorragenden Töchtern aus dem Zweiteinsatz bietet er sich nun als Allrounder in allen Produktionssystemen an. Besonders überzeugt die Euterqualität.

Der GZW von Raldi (V: Rau) steigt bereits seit der August-Zuchtwertschätzung 2014 bereits zum zweiten Mal an. Mittlerweile haben die Töchter eine Nutzungsdauer aus der Leistungsprüfung vorliegen. Von seinen Halbbrüdern kann er sich jetzt deutlich absetzen.

Hulkor*TA legt als Altbulle eine späte Karriere hin. Seit April ist er im GZW um zehn Punkte gestiegen. Seine Töchter haben absoluten Zweinutzungscharakter. Auch für Vanstein-Sohn Valuta kommen aus dem Zweiteinsatz weitere Töchter mit sehr guten Leistungen. Die kleineren Kühe zeigen gute Zweinutzungseigenschaften. Mit Muttersvater Hagoff ergibt sich eine Alternative. Wallenstein (V: Wal) schiebt sich nach einem eher unscheinbaren Start vor drei Jahren zunehmend ins Rampenlicht. Neue Töchter beweisen im Exterieur viel Substanz, ohne es an Leistungsbereitschaft vermissen zu lassen.

2 Die Gewinner unter den bisher verfügbaren Bullen (gereiht nach zusätzliche Punkte GZW)
Bullenname Vater gGZW Veränderung Organisation
Zapfhahn*TA Zahner 123 +5 BayernGenetik
Raldi Rau 131 +3 CRV/Genostar
Hulkor*TA Hulock 129 +3 Neustadt/A
Valuta Vanstein 127 +3 BayernGenetik
Wallenstein Wal 124 +3 BayernGenetik

Verlierer: Hupsol-Söhne vorgezeichnet

Obdach ereilt das gleiche Schicksal wie viele andere Hupsol-Söhnen: Er schmiert im Milchwert völlig ab, obwohl dieser schon aufgrund der Vorschätzung relativ niedrig ausgefallen ist. Da wird auch der hervorragende Euterzuchtwert keinen Ausgleich schaffen können. Roubion wurde im Dezember zum ersten Mal als geprüfter Bulle aufgeführt und verschwindet jetzt wieder. Seine Töchter können im weiteren Laktationsverlauf das Niveau nicht halten.

Der Verlust bei Rhesus ist schmerzlich. Er wurde im letzten Jahr auch als Bullenvater eingesetzt. Mit enorm vielen neuen Töchtern kommt jetzt Vanel*TA in die neue Schätzung. Dabei sind auch viele Ergebnisse aus Österreich und Tschechien. Die Leistung konnte er zwar bestätigen, im Fitnessbereich gibt es aber große Abschläge.

Malik wurde außerhalb Bayerns schon als Bullenvater eingesetzt. Seine Töchter konnten die unterstellte Persistenzkurve nicht halten, so verliert er drei Punkte im Milchwert. Trotzdem ist er immer noch ein interessanter Bulle.

3 Die Verlierer unter den bisher verfügbaren Bullen (gereiht nach Verlustpunkte GZW)
Bullenname Vater gGZW Veränderung Organisation
Obdach Hupsol 109 -9 Neustadt/A.
Roubion Round up 119 -7 Neustadt/A.
Rhesus*TA Round up 117 -5 Bayerngenetik
Vanel*TA Vanstein 117 -5 RBW
Malik Manitoba 118 -5 Genostar

Wille rutscht im Euter weiter

Wille ist züchterisch gesehen ein Spezialfall. Aus allen Fleckviehländern laufen jetzt neue Töchterleistungen auf. Sein enorm breiter Einsatz hat mittlerweile über 1000 Bewertungen zur Folge, welche ihm hohes Leistungspotential bescheinigen und ihn seine Spitzenposition behaupten lassen. 600 neue Töchter lassen jedoch seinen Euterzuchtwert um weitere sechs Punkte fallen und trüben das Gesamtbild.

Von Rumgo kommen nun die Söhne aus der Leistungsprüfung. Viele fallen aber wegen der Trägerschaft für TP oder FH2 (Minderwuchs) für einen weiteren Besamungseinsatz aus. Die Kühe von Mercator sind unauffällige und fleißige Arbeiterinnen. Der Zuchtwert für Fitness spiegelt das wieder. Einen richtigen Lauf hat Hulkor *TA mit Töchter aus dem Zweiteinsatz. Ein weiterer Anstieg im GZW und Milchwert bei sehr gutem Fleischleistungsvermögen ist Doppelnutzung auf hohem Niveau. Vanstein-Sohn Valuta war ebenfalls in gezielter Paarung eingesetzt und rechtfertigt dieses Prädikat mit einem Anstieg im GZW. 80 neue Töchter im Exterieur zeigen Funktionalität, zeigen sich im Rahmen allerdings eher knapp.

4 Bullen mit 99% Sicherheit im Milchwert, gereiht nach GZW
Bullenname gGZW Station
Wille 137 Birkenberg
Rumgo 130 CRV/Genostar
Mercator 129 BayernGenetik
Hulkor*TA 129 Neustadt/A.
Valuta 127 BayernGenetik

TOP5 der genomischen Jungvererber

Winnipeg-Blut beherrscht nach wie vor die Liste der genomischen Jungvererber (GJV). Unter allen Wille-Söhnen verspricht Weissblau*TA die höchste Milchleistung. Bei der Anpaarung sollten Sie jedoch den Trägerstatus für Thrombopathie unbedingt beachten.

Wildstern*TA zeigt eine gute Befruchtung und über Muttersvater Gebalot kann man Leichtkalbigkeit unterstellen. Windstone*TA ist unter den Wille-Söhnen die Nummer drei, mit leicht positivem Euterzuchtwert (genomisch). Allgemein verlieren die Söhne aufgrund des väterlichen Zuchtwerts.

Valeur steht seinem Vater in punkto Fleischleistung kaum nach und die Kombination mit Inhof als Muttersvater ist vielversprechend. Haddock ist in Frankreich gezüchtet und ist unter den 30 angekauften Halbbrüdern die Nummer zwei. Das genomische Ergebnis verspricht gute Milchleistung bei positiven Inhaltsstoffen.

5 TOP 5 der genomischen Jungvererber
Name gGZW Vater Station
Weissblau*TA 143 Wille BayernGenetik/Bauer, Wasserburg
Wildstern*TA 143 Wildwest Höchstädt
Windstone*TA 141 Wille RBW/Neustadt Aisch
Valeur 141 Vanadin Höchstädt
Haddock 140 Wildwest CRV

Die bunte Liste Dezember 2014 können Sie hier herunterladen.
 


Bernhard Luntz, LfL Tierzucht Grub
 

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