Berufspolitik

Änderungen der TÄHAV zur Diskussion

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Das Umwidmungsverbot soll für Rinder, Pferde, Schweine, Hühner, Puten, Hunde und Katzen eingeführt werden. Foto: Zaspel

Im Eckpunktepapier des BMEL über den Einsatz von Antibiotika bei Tieren werden beabsichtigte Änderungen der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung (TÄHAV) vorgestellt. Anmerkungen, Kritiken und Stellungnahmen sind erwünscht

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat "Eckpunkte für weitere Regelungen für den Einsatz von Antibiotika bei Tieren" veröffentlicht.

Ziel: Im Rahmen des verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatzes sollen Wirkstoffe, die für die Behandlung von Infektionskrankheiten des Menschen besondere Bedeutung haben und insbesondere auch gegen gram-negative Bakterien wirken, bei Mensch und Tier nur zum Einsatz kommen, wenn andere Wirkstoffe nicht zu einer Heilung führen. Für die Therapieentscheidung soll neben der klinischen Untersuchung die Erstellung von Antibiogrammen Pflicht werden.

Beabsichtigte Maßnahmen:

1. Strikt zulassungskonforme Anwendung von Antibiotika mit besonderer Bedeutung

In der Neuregelung der TÄHAV sollen die bestehenden Möglichkeiten zur Umwidmung von Tierarzneimitteln, die Cephalosporine der 3. und 4. Generation, Makroliden oder Fluorchinolone enthalten, eingeschränkt werden. Das Umwidmungsverbot soll sich auf ein anderes Anwendungsgebiet und/oder eine andere Tierart beziehen. Anwendungsdauer und Dosierungsänderungen sollen unberührt bleiben.

Es bezieht sich auf folgende Tierarten: Rind, Pferd, Schwein, Huhn, Pute, Hund und Katze. In fachlich begründeten Einzelfällen soll durch eine entsprechende Regelung die Behandlung der o.g. Tierarten abweichend vom Umwidmungsverbot erlaubt werden.

2. Pflicht zur Erstellung eines Antibiogramms

In Anlehnung an die Empfehlungen der Leitlinien für den sorgfältigen Umgang mit antibakteriell wirksamen Tierarzneimitteln der Bundestierärztekammer soll die Erstellung eines Antibiogramms in folgenden Fällen verpflichtend werden:

  • Im Fall eines Wechsels des Antibiotikums im Verlauf einer Therapie (bei Therapieversagen),
  • im Falle des wiederholten oder längerfristigen Einsatzes eines Antibiotikums bei einem Tier oder in einem Tierbestand; in diesen Fällen ist das Antibiogramm in regelmäßigen Abständen zu fertigen,
  • im Falle der kombinierten Verabreichung von Antibiotika bei einer Indikation
  • im Fall der Abweichung von den Vorgaben der Zulassungsbedingungen (Umwidmung)
  • sofern in der Packungsbeilage die Durchführung eines Antibiogramms vor einer Anwendung empfohlen wird,
  • bei der Anwendung von Wirkstoffen mit besonderer Bedeutung für die Humanmedizin oder
  • beim Auftreten neuer Krankheitsbilder im Betrieb

3. Anforderungen an die Durchführung von Antibiogrammen

Die Probennahme muss repräsentativ für die Erkrankung entsprechend dem Stand der Veterinärmedizinischen Wissenschaft erfolgen.

Die Proben können mit Bouillon-Mikrodilution, Bouillon-Makrodilution und Agrardilutions-Verfahren, ggf. auch mit Agardiffusions-Verfahren untersucht werden. Die Resistenzbestimmung erfolgt durch epidemiologische Cut Off-Werte oder anhand der minimalen Hemmstoffkonzentraton (MHK). Über die Untersuchungen sind Nachweise zu führen.

Hier geht es zum Volltext des Eckpunktepapiers des BMEL

Begründete Anmerkungen von Praktikern zum Eckpunktepapier nehmen die Bundestierärztekammer und der bpt bis Anfang Januar gerne entgegen, um sie in ihre Stellungnahmen einzuarbeiten.

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