Antibiotikaverbrauch in Tiermedizin sinkt

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Quelle: BVL

Die Verschreibung von Antibiotika in der Tiermedizin ist seit 2011 um 27 Prozent auf 1238 Tonnen gesunken. Der Verbrauch von Reserveantibiotika stagniert weiter auf hohem Niveau, was Ärzte und Tierärzte zur Verantwortung zieht.




Insgesamt sind im Jahr 2014 1.238 Tonnen Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte in Deutschland abgegeben worden. Die Hauptabgabemengen bilden, wie in den vergangenen Jahren, Penicilline mit etwa 450 t und Tetrazykline. Von den als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen eingestuften Antibiotikaklassen wurden im Vergleich zum Vorjahr weiterhin gleichbleibende Mengen abgegeben: rund 12 t Fluorchinolone und rund 4 t Cephalosporine der 3. und 4. Generation.
Die Abgabe von Fluorchinolonen hat auf hohem Niveau weiter leicht zugenommen und zeigt gegenüber dem ersten Erfassungsjahr 2011 eine Steigerung von 50 Prozent.
Dies nahm der 118. deutsche Ärztetag zum Anlass, ein Verbot des Verschreibens von Fluorchinolonen und Cephalosporinen zu fordern oder auf Einzelfälle zu beschränken. Damit stimmen die Humanmediziner mit über der Hälfte (53%) der Bevölkerung überein, dass für die Ausbreitung von Resistenzen gegen Antibiotika deren Einsatz in der Tierhaltung verantwortlich ist. Dabei stammen nur fünf Prozent der MRSA (Methicillin-resistente-Staphylokokken)-Keime beim Menschen aus der Tierhaltung, wie Landwirtschaftsminister Christian Schmidt im Juli auf einem Anbitiotika-Fachgespräch der CDU im Deutschen Bundestag erklärte. Der Verbrauch dieser Reserveantibiotika wird in der Humanmedizin auf etwa 300t geschätzt – gut die Hälfte der verordneten Gesamtmenge und fast zwanzig Mal so viel wie in der Tiermedizin.
Jährlich sterben 10 bis 15 000 Menschen durch Infektionen in Krankenhäusern. Der Anteil derer, die sich in solch einem Falle mit multiresistenten Keimen infizieren, gegen die jene Reservemedikamente gebraucht werden, steigt ständig.

Regionale Zuordnung der Antibiotika-Abgabemengen 2014
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Der Antibiotikaverbrauch in der Tiermedizin unterliegt spätestens seit der 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes, durch die seit 2014 die Abgabe aller Antibiotika an Mastbetriebe dokumentiert wird, strengeren Regeln als in der Humanmedizin. Antibiotika als Wachstumsförderer in der Mast gehören – zumindest in Europa - seit 2006 der Vergangenheit an, seit 2002 muss jedes zu behandelnde Tier von einem Tierarzt untersucht worden sein, um sie an den Tierhalter abzugeben.
In Anbetracht dessen, dass laut RKI-Präsident Wieler Antibiotika weltweit in nur 50% der Länder verschreibungspflichtig sind, scheinen diese Maßńahmen in Deutschland bereits ein fortschrittlicher Weg hin zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den wertvollen Medikamenten zu sein.
Hierbei helfen keine Schuldzuweisungen, sondern ein gemeinsamer Ansatz, wie er in dem “Eine Gesundheit”-Gedanken im DART-Programm (Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie) der Bundesregierung verfolgt wird. Auch Prof. Dr. Theo Mantel, Präsident der BTK, sieht zwar Bedarf zum Handeln, stellt aber klar, dass Tierärzte keine reinen Arzneimittellieferanten sind, sondern nach Indikation therapieren. Verbesserungsmöglichkeiten sieht er weniger in der Art der Therapie der Tierärzte als in der Nutztierhaltung im Allgemeinen: “Ein Durchbruch im Sinne einer Reduzierung des Antibiotikaverbrauchs ist nur erreichbar, wenn es gelingt, die Tiergesundheit entscheidend zu verbessern.” Hier nennt er die Verbesserungen der Haltungsbeindungen, das Überdenken der Züchtung auf überhöhte Leistungsanforderungen und das Erarbeiten individueller Impfschemata zur Prävention. Denn ohne “systematische verpflichtende tierärztliche Bestandsbetreuung” wird es aus Sicht Mantels nicht gelingen, den Antibiotikaverbrauch, insbesondere der Reserveantibiotika, dauerhaft zu senken.


Quellen:
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Bündnis 90/ Die Grünen
Bundesministerium für Gesundheit
CDU
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft


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