Berufspolitik

Beschlüsse des 27. Deutschen Tierärztetages

BTK

Spannungsfelder zwischen Zucht, Tierschutz, berechtigten wirtschaftlichen Interessen, Vernunft und Emotion bewegten die Diskussion der Arbeitskreise des Deutschen Tierärztetages.



Arbeitskreis 2: Tierärztliche Bestandsbetreuung – Garant für Tierwohl und sichere Lebensmittel?!
Der bestandsbetreuende Tierarzt befindet sich mit seiner Tätigkeit in einem Spannungsfeld zwischen Hochleistungszucht, Tierschutz, Lebensmittelsicherheit und berechtigten wirtschaftlichen Interessen der landwirtschaftlichen Tierhalter. Erfolgreiche Zucht bedeutet, dass Tiere die gewünschten Leistungen ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen erbringen können. Eine fachgerecht durchgeführte Integrierte Tierärztliche Bestandsbetreuung (ITB) kann in kontrollierter Weise in erheblichem Maß zur Verbesserung der Tiergesundheit, des Tierwohls und der Biosicherheit in den landwirtschaftlichen Tierhaltungen beitragen und somit einen wichtigen Beitrag zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit und zum gesundheitlichen Verbraucherschutz leisten.
ITB: Beste Aussicht auf Erfolg, Garantie aber nicht möglich
Tiergesundheit und das darüber hinaus gehende Tierwohl lassen sich ausschließlich anhand von den Tieren stammender Prüfkriterien (Befunde, Indikatoren) messen - dafür haben Tierärzte die höchste Qualifikation. Die Interpretation von Tiergesundheits- und Tierwohlindikatoren und insbesondere die Festlegung geeigneter Maßnahmen in Fällen festgestellter Abweichungen oder auch zum Zweck weiterer Optimierung obliegen dem Tierarzt. Die von der ITB erbringbaren Leistungen müssen von den landwirtschaftlichen Tierhaltern angefordert, die vom bestandsbetreuenden Tierarzt empfohlenen Maßnahmen von den Tierhaltern umgesetzt werden. Auch wenn der Tierarzt den Erfolg kontrolliert, kann er diesen nicht garantieren.

Die Hauptversammlung des Deutschen Tierärztetags 2015 hat folgende Forderungen des Arbeitskreises 2 beschlossen:
- Der 27. Deutsche Tierärztetag fordert Züchter und Politiker auf, die Ziele der Zucht landwirtschaftlicher Nutztiere zu überprüfen und soweit erforderlich zu korrigieren, so dass durch Hochleistungszucht bedingte Erkrankungsfälle und Schäden vermieden werden.
- Der 27. Deutsche Tierärztetag fordert die Politik auf,

  • Rahmenbedingungen in tierhaltenden landwirtschaftlichen Betrieben zu schaffen, um tiergerechte Haltungssysteme und die Implementierung einer flächendeckenden Integrierten Tierärztlichen Bestandsbetreuung zu ermöglichen. Gegebenenfalls dafür bereitgestellte Mittel müssen zweckgebundene Verwendung finden.
  • sicherzustellen, dass die Interpretation von Tiergesundheits- und Tierwohlindikatoren „originär tierärztliche Tätigkeiten“ bleiben. Gleiches gilt für die Festlegung geeigneter Maßnahmen in Fällen festgestellter Abweichungen oder auch zum Zweck weiterer Optimierung.
  • Forschung, Entwicklung und Lehre auf dem Gebiet der Integrierten Tierärztlichen Bestandsbetreuung intensiv zu fördern.
  • Forschungsprojekte zur Entwicklung und wissenschaftlichen Absicherung alternativer Therapieverfahren zu fördern.
Arbeitskreis 3: Veränderungen in der Mensch-Tier-Beziehung – der Tierarzt im Spannungsfeld von Vernunft und Emotion

Intensiv wurden die Veränderungen der Mensch-Tier-Beziehung und die Bedeutung der psychosozialen Aspekte für Tierärzte diskutiert. Belastungsfelder wurden im Bereich des Tierschutzes und im Umgang mit Tierhalten herausgestellt. Das Bewusstsein für die eigene Psychohygiene ist bei vielen Tierärzten trotz vielfältiger Alltagssituationen mit psychischen Belastungen noch gering ausgeprägt.

Die Hauptversammlung des Deutschen Tierärztetags 2015 hat folgende Forderungen des Arbeitskreises 3 beschlossen:
- Der 27. Deutsche Tierärztetag fordert den Gesetz- bzw. Verordnungsgeber auf, folgende Regelungen zu treffen:

  • Im Tierschutzgesetz die obligatorische Überwachung von Nutztierhaltungen anhand tierbezogener Tierschutzkriterien aufzunehmen, auch vor dem Hintergrund einer Abkehr von der Verdinglichung von Tieren.
  • Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung anzupassen und die Regelungslücken zu schließen, z. B. für Rinder über 6 Monate und für Puten, Junghennen, Enten und Gänse sowie Geflügelelterntiere.
  • Ein Prüf- und Zulassungsverfahren für serienmäßig hergestellte Tierhaltungseinrichtungen für alle Tierarten einzuführen.
  • Auf einen Ausstieg aus der Haltung aller Tierarten auf ausschließlich vollperforierten Böden sowie der ganzjährigen Anbindehaltung bei Rindern und im Kastenstand bei güsten, frühtragenden, ferkelnden und ferkelführenden Sauen hinzuwirken.
  • Die obligatorische Kennzeichnung und Registrierung von Hunden und Katzen einzuführen
- Der 27. Deutsche Tierärztetag fordert die Justizministerien der Länder auf, Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften für veterinärmedizinisch relevante Themen einzurichten.
- Der 27. Deutsche Tierärztetag fordert die Länder auf, den Bereich Ethologie, Tierhaltung, Tierschutz in Forschung und Lehre durch zusätzliche Mittel stärker zu fördern.
- Der 27. Deutsche Tierärztetag fordert die Landes-/Tierärztekammern, den bpt und den BbT auf, Fortbildungen zu psychischen Belastungen und zur Psychohygiene für praktizierende Tierärzte und Amtstierärzte anzubieten und Angebote für Supervisionen zu schaffen.

- Der 27. Deutsche Tierärztetag fordert die BTK auf,

  • sich bei den Bundestagsparteien dafür einzusetzen, die Schlussfolgerungen und Forderungen des Gutachtens des Wissenschaftlichen Beirats des BMEL über die Wege für eine gesellschaftlich akzeptierte Nutztierhierhaltung zu unterstützen.
  • eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die prüfen soll, mit welchen Aktivitäten die Tierärzteschaft vorschulische und schulische Ausbildung unterstützen kann.

Der Arbeitskreis 1 hatte sich mit Zucht und Qualzucht von Klein- und Heimtieren beschäftigt.

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