EU-Politik

Brexit: Chancen und Risiken für britische Tierärzte

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Die Stunden bis zum Volksentscheid über den "Brexit" sind gezählt. Foto: Big Ben, London, Lukas Rottmann, pixelio.de

Am 23. Juni entscheiden die Briten über das Verlassen oder den Verbleib in der Eurozone. Welche Konsequenzen sich für die britischen Kollegen ergeben könnten, hat die British Veterinary Association (BVA) zusammengestellt.

Wird Großbritannien Mitglied der Europäischen Union bleiben oder diese verlassen? Diese Frage wird bald mit einer einfachen Mehrheit der Stimmenauszählung des Referendums geklärt. Die British Veterinary Association hat Risiken und Chancen des "Brexits" diskutiert. Als unabhängige Interessensvertretung werden die persönlichen Entscheidungen ihrer Mitglieder anerkannt, deshalb wurde keine Empfehlung für oder gegen einen Austritt gegeben. In einem Positionspapier werden die möglichen Konsequenzen für Tierärzte United Kingdom (UK) dargelegt.

Wenn die Briten die EU verlassen,

  • müssten die UK-Gesetze mit den EU-Regeln kompatibel bleiben, um weiterhin mit der EU handeln zu können. Jedoch könnte auf die EU-Gesetzgebung kein Einfluss mehr genommen werden. Davon betroffen sind unter anderem Gesetze der Veterinärmedizin, Krankheitsprävention, -überwachung und -eradikation, Lebensmittelsicherheit, Lebensmittelrückverfolgbarkeit, Tierschutzbestimmungen, Schlachthofgesetze, Tierversuche sowie Reisen und Handel mit Tieren.
  • könnte es sein, dass UK nicht mehr als epidemiologische Einheit für die Kontrolle von Tierseuchen betrachtet wird. Kürzlich wurde dies noch im neuen EU- Tiergesundheitsgesetz so vorgesehen und verabschiedet.
  • würden EU-Beihilfen zu Krankheitseradikationsprogrammen wegfallen. (Beispielsweise wurden 50% der Kosten des britischen Tuberkulose- Eradikationsprogramms durch die EU finanziert. Auch das Salmonellen- und Aviäre Influenza-Monitoring wird durch die EU getragen.) Zudem existiert derzeit ein EU-Experten-Netzwerk mit Task Force Einheit für Tierseuchen, dessen Zukunft von den Verhandlungen nach dem möglichen Brexit abhängen.
  • müssen neue Regelungen für die Arbeitserlaubnisse von Tierärzten aus anderen Ländern in UK getroffen werden. Derzeit hat fast die Hälfte der in UK arbeitenden Tierärzte einen Hochschulabschluss aus einem anderen EU-Land. Möglicherweise müssten die Studiengebühren des Royal College of Veterinary Surgeons angehoben werden, um die Kosten für die Anerkennung des Abschlusses zu decken. Der Veterinary Surgeons Act von 1966 müsste überarbeitet werden.
  • würden die EU-Beihilfen für Forschung und Entwicklung in UK wegfallen.
  • könnten sie selbst über den Erhalt des Dispensierrechts entscheiden ohne von EU-Vorgaben abhängig zu sein
Den Wortlaut des BVA-Positionspapiers hat der bpt auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Foto: Lukas Rottmann, www.pixelio.de

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