Hessen

Empörung: Humanmediziner leitet Veterinäramt

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Nach Umstrukturierung des Veterinäramtes des Wetteraukreises wurde ein Arzt als Leiter der Veterinäramts berufen. Daraufhin haben 18 Tierärzte die Rahmenvereinbarung für den Seuchenkrisenfall im Landkreis verlassen.

Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, erhält Landrat Joachim Arnold (SPD) auch von der Landestierärztekammer und vom Bauernverband Wetterau / Frankfurt Kritik dafür, dass an der Spitze des Amtes nun ein Humanmediziner sitzt. Der bisherige Chef Rudolf Müller wurde damit zum Fachstellenleiter degradiert. Arnold verteidigte im Kreistag seine Entscheidung. Mit der Neuorganisation würden sogar die Stundenkontigente für die operative Arbeit im Veterinärwesen erhöht, sagte er.

„Ein Veterinäramt muss von einem Tierarzt geleitet werden, man würde ja auch nicht auf Idee kommen, einen Tierarzt an die Spitze des Gesundheitsamtes zu setzen“, sagte Ingo Stammberger, Präsident der Landestierärztekammer Hessen, auf Anfrage der FR. Es gehe beim Veterinäramt um Lebensmittelkontrolle, Tierschutz und -seuchen. Diese Aufgabenfelder seien einem Humanmediziner fremd. Besonders im Fall einer Tierseuche komme es auf hohe fachliche Qualifikation an, um schnell und wirksam vorzugehen, so Stammberger. Aus diesem Grund seien 18 Tierärzte aus der Rahmenvereinbarung ausgestiegen.

Arnold appelliert an die Tierärzte, ihre Kündigung zurückzunehmen. Bei der Landestierärztekammer heißt es: „Der Landrat ist für uns kein Gesprächspartner mehr, sondern allein die anderen Vertragspartner wie das hessischen Umweltministerium.“ Nächste Woche werde das Thema in der Vorstandssitzung beraten.

Rahmenvereinbarung für den Seuchenfall

Die Rahmenvereinbarung für den Tierseuchenkrisenfall wie etwa die Geflügelpest oder aktuell die afrikanische Schweinepest, die sich zurzeit von Polen nach Westen ausbreitet, wird von der Landestierärztekammer mit dem hessischen Umweltministerium, dem hessischen Städtetag der Landkreise und dem Landkreistag mit den Kreisen geschlossen. Festgelegt wird darin unter anderem die Vergütung. Die Teilnahme ist für Tierärzte freiwillig. Die Namen kommen in einen Pool, 2013 waren es 90 Veterinäre. Wer unterzeichnet, kann jedoch zu einem Einsatz etwa zum „Keulen“ von erkrankten Tieren nicht verpflichtet werden.

Quelle: LTK Hessen

Frankfurter Rundschau, 24.08.17

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