Berufspolitik

GOT - absegnen oder absägen?

GOT
Zustimmen oder ablehnen - wie positioniert sich die Tierärzteschaft zum Verordnungsentwurf der Bundesregierung?

Noch zwei Tage bleibt den tierärztlichen Verbänden für die Entscheidung, ob sie der Erhöhung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) um 12%, bzw. 30% für tierärztliche Beratungsleistungen zustimmen. Verbunden wäre dies allerdings mit einer Klausel zur Unterschreitung des einfachen Satzes für Kastrationen frei lebender Katzen.

Seit 2008 ist die Tierärztliche Gebührenordnung nicht mehr erhöht worden. Somit sind 12% nicht eine Erhöhung im Sinne von einem Zugewinn, sondern es handelt sich knapp um den Inflationsausgleich. Die Tierärztlichen Verbände hatten 20% für alle GOT-Posten und 100% für die Beratungstätigkeit in landwirtschaftlichen Nutztierbeständen gefordert.

Jetzt liegt der Entwurf einer Verordnung der Bundesregierung vor und die Tierärzteverbände müssen sich mit kurzer Frist bis zum 08.06.17 entscheiden, ob sie dem zustimmen oder noch Einwände erheben möchten. Offenbar möchte die Bundesregierung die Verordnung noch schnell vor der Bundestagswahl "vom Tisch haben". 

Völlig unerwartet enthält der Entwurf eine Änderung: Die Kastration frei lebender Katzen soll damit zukünftig auch für weniger als den einfachen Satz (das bislang absolute Mindestmaß an Gebühr) abzurechnen sein, womit der Deutsche Tierschutzbund im Ministerium eine langjährige Forderung überraschend durchsetzen konnte. Jedoch ist die Katzenproblematik ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das die Tierärzteschaft nicht durch Unterbezahlung lösen kann und auch jede herrenlose Katze hat ein Anrecht auf eine qualitativ einwandfreie Behandlung.

www.wir-sind-tierarzt.de diskutiert die Möglichkeit, sich komplett von der GOT zu verabschieden und den von der Bundestierärztekammer mit viel fachlichem Aufwand überarbeiteten GOT-Vorschlag als "Gebührenleitlinie" umzusetzen. Der enthält neben neuen angemessenen Preisen auch zeitgemäße Leistungsdefinitionen. Außerdem wird kritisch hinterfragt, wieso eine lange Liste von Verbänden wie der Tierschutzbund vor der Entscheidung ebenfalls angehört werden um ihre "berechtigten Interessen" einzubringen - werden beim sozialen Wohnungsbau auch Sondertarife für Architekten und Bauträger festgelegt?

Es bleibt spannend...

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