Tierschutz

Mehr Schutz fürs ungeborene Leben

Kuh
Nur durch ein hochdosiertes Narkosemittel, das über den mütterlichen Kreislauf auch das Ungeborene erreicht und schmerzlos einschläfert, ist eine tierschutzgerechte Tötung des Fötus möglich.

Der Bundestag hat ein Schlachtverbot für Tiere im letzten Trächtigkeitsdrittel beschlossen. Allerdings weichen Ausnahmen den Gesetzentwurf auf, was von der Bundestierärztekammer kritisiert wird.

Als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung bewertet die Bundestierärztekammer (BTK) den Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen zur Änderung tierschutzrechtlicher Vorschriften, der am 18.05.17 vom Bundestag angenommen wurde. In dem Entwurf ist neben gesetzlichen Mindestanforderungen an die Haltung von Pelztieren das Verbot der Schlachtung hochträchtiger Tiere festgeschrieben.

Euthanasie hochtragender Tiere mit hochdosiertem Narkosemittel

Vor dem Hintergrund, dass bei der Schlachtung gravider Tiere derzeit keine Betäubung und anschließende tierschutzgerechte Tötung der Föten möglich ist, hatte die Delegiertenversammlung der Bundestierärztekammer bereits im April 2016 eine entsprechende Resolution zum Thema verabschiedet. Darin wurde betont, dass zumindest im letzten Drittel davon ausgegangen werden muss, dass die Feten schmerzempfindlich sind und leiden, wenn sie aufgrund von Sauerstoffmangel bei der Schlachtung des Muttertiers langsam ersticken. Dies könnte mit der neuen Gesetzeslage jedoch weiterhin passieren: In ihrer Resolution hatte die BTK gefordert, Muttertiere, die aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zum Ende austragen können, zu euthanasieren. Im Gesetzentwurf ist dafür allerdings eine Ausnahme vom Schlachtverbot vorgesehen:

Es ist verboten, ein Säugetier, ausgenommen Schafe und Ziegen, das sich im letzten Drittel der Trächtigkeit befindet, zum Zweck der Schlachtung abzugeben. Das Verbot gilt nicht, wenn die Tötung eines solchen Tieres

  1. nach tierseuchenrechtlichen Bestimmungen vorgeschrieben oder angeordnet worden ist oder
  2. im Einzelfall nach tierärztlicher Indikation geboten ist und überwiegende Gründe des Tierschutzes einer Abgabe zur Schlachtung nicht entgegenstehen.
„Anders als bei der Euthanasie durch ein hochdosiertes Narkosemittel, das dann über den mütterlichen Kreislauf auch das Ungeborene erreicht und schmerzlos einschläfert, ist bei der Schlachtung eine tierschutzgerechte Tötung des Fötus nicht möglich“, erklärt Dr. Tiedemann.

Nachbesserung bei Ziegen und Schafen

Auch bezüglich des Schlachtens trächtiger Schafe und Ziegen besteht noch Nachbesserungsbedarf. Mit der Begründung des mangelnden Kenntnisstandes zum Thema und dass die Tiere überwiegend extensiv gehalten werden und dadurch eine Feststellung des Deckdatums schwieriger sei, ist hier vorerst kein Verbot vorgesehen.

Insgesamt wertet es die Bundestierärztekammer aber als Erfolg, dass der Gesetzgeber nach so langer Zeit– die Diskussion wurde schon 2011 angestoßen – endlich eine Regelung für mehr Tierschutz in der Nutztierhaltung auf den Weg gebracht hat. Nun gilt es, auch eine praktikable Lösung für Schafe und Ziegen zu finden. Dabei wird sich die BTK mit ihren Experten aus den Ausschüssen für Tierschutz und für Wiederkäuer beratend einbringen.

Quelle: PM BTK

Foto: Marco Barnebeck(Telemarco)  / pixelio.de

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