Antibiotikarestistenzen

Neue WHO- Einteilung der Antibiotika

Pillen
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Antibiotika der jetzt offiziell als "Reserve" benannten Gruppe zukünftig auch in der Tiermedizin noch strenger reglementiert werden. Foto: Andrea Damm, pixelio.de

Die World Health Organisation (WHO) hat eine Neueinteilung der antibiotischen Wirkstoffe in "Access", "Watch" und "Reserve" vorgenommen. Vorerst gilt diese Einteilung für die Humanmedizin.

Die neue "WHO Model List of Essential Medicines" weist 433 Wirkstoffe aus, die als essenziell für die Behandlung der häufigsten Erkrankungen des Menschen angesehen werden. Sie gibt neue Empfehlungen für die Wahl des Antibiotikums bei üblichen Erkrankungen und Hinweise, welche Wirkstoffe für die Behandlung schwerer, lebensbedrohlicher Erkrankungen zu bewahren sind. Sie dient in vielen Ländern der Welt dazu, den Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung zu erhöhen und Entscheidungshilfen zu geben, welche Produkte bei welcher Erkrankung sinnvoll einsetzbar sind. Sie soll sicherstellen, dass sich das weltweite Problem der Resistenzbildung auf antibiotische Wirkstoffe nicht weiter verschlimmert.

Neue Einteilung in ACCESS, WATCH und RESERVE

Für Antibiotika, die für die 21 häufigsten Erkrankungen des Menschen eingesetzt werden, wurde eine Neueinteilung in drei Gruppen vorgenommen.

1. ACCESS (= Einstieg)

Diese Wirkstoffe sollen jederzeit verfügbar sein und als Mittel der ersten und zweiten Wahl gelten, z.B. Amoxicillin oder Penicillin

2. WATCH (= Überwachung)

Diese Wirkstoffe birgen ein hohes Resistenzrisiko und sollen als erste oder zweite Wahl nur bei bestimmten Indikationen eingesetzt werden, z.B. Ciprofloxacin bei Cystitis. Die Anwendung soll reglementiert und zu Überwachungszwecken dokumentiert werden. Hier sind auch die in der Tiermedizin bedeutsamen Fluorchinolone, Cephalosporine der 3. Generation und die Makrolide gelistet.

3. RESERVE

Wirkstoffe dieser Gruppe sollen in der Humanmedizin als Mittel der letzten Wahl bei ernsthaften und lebensbedrohlichen Erkrankungen eingesetzt werden, wenn sich andere Antibiotika als unwirksam gezeigt haben (MRSA, ESBL). Die Anwendung sollte in jedem Fall begründet sein und sie sollen von den nationalen Gesundheitsbehörden überwacht werden, um die Wirksamkeit so lange wie möglich zu erhalten. Als tiermedizinsch bedeutsame Wirkstoffe werden hierzu Cephalosporine der 4. Generation und Colistin gezählt.

Erstmalig wurde damit offiziell der bereits häufig gebrauchte Begriff der "Reserveantibiotika" definiert. Welche Auswirkungen die Neueinteilung auf die Reglementierung dieser Wirkstoffe in der Tiermedizin haben wird, bleibt abzuwarten.

Quelle: WHO

Foto: Andrea Damm, pixelio.de

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