Arzneimittelgewinnung

PMSG-Einsatz aus Sicht der Bundesregierung

Ferkel
Bei Sauen wird PMSG unter anderem zur Steigerung der Wurfgröße eingesetzt. Foto: Heil

Die Bundesregierung hat die kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen zu Produktion, Zulassung und dem Einsatz von Pregnant Mare Serum Protein (PMSG) beantwortet. Auch die Linksfraktion hatte angefragt, wie Importe von Arzneimitteln aus "Qualproduktionen" verhindert werden können.

Nachdem im Laufe des letzten Jahres das Thema der PMSG-Gewinnung auf südamerikanischen Pferdefarmen unter tierschutzwidrigen Bedingungen zu öffentlicher Empörung geführt hatte, liegen jetzt die Antworten der Bundesregierung hierzu vor.

Im Folgenden ein Auszug aus der Drucksache 18/12251 des Deutschen Bundestages vom 05.05.2017:

Warum werden nach Kenntnis der Bundesregierung PMSG-Präparate eingesetzt?

"PMSG ist ein in der Veterinärmedizin allgemein bekannter Wirkstoff mit anerkannter Wirksamkeit, der überwiegend zootechnisch, aber auch therapeutisch zur Behandlung von Fruchtbarkeitsstörungen bei Rindern, Schafen, Schweinen und Kleintieren (Kaninchen, Nerzen) eingesetzt wird.(...) Bei Sauen steht als biotechnische Indikation die Stimulation und Synchronisation der Brunst im Vordergrund."

Was ist der Bundesregierung über die Produktionsbedingungen von PMSG bekannt, und wie bewertet die Bundesregierung diese?

"Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hatte aus Anlass von Presseberichten im Jahr 2015 über die Produktionsbedingungen zu PMSG in Südamerika Kontakt mit den betreffenden Ländern aufgenommen und das Thema der Blutentnahme zur Gewinnung von PMSG bei trächtigen Stuten zur Sprache gebracht. Darüber hinaus hat sich das BMEL im letzten Jahr an die Europäische Kommission gewandt und darum gebeten, konkrete Informationen über den Umgang mit trächtigen Stuten bei der PMSG-Gewinnung durch Inspektionen vor Ort zu erhalten und auf Verbesserungen bei Haltung und Nutzung der Pferde hinzuwirken. Zudem steht das BMEL zum Thema PMSG mit dem Bundesverband für Tiergesundheit (BfT), der die führenden Hersteller von Tierarzneimitteln vertritt, in Kontakt. Insgesamt reichen die derzeit vorliegenden Informationen allerdings für eine abschließende Bewertung der Tiergerechtheit des Gewinnungsprozesses nicht aus."

Wie bewertet die Bundesregierung die systematische Abtreibung der Fohlen im PMSG-Produktionsprozess?

Ein routinemäßiger Trächtigkeitsabbruch lässt sich dies mit dem hiesigen Tierschutzverständnis nicht vereinbaren. Auch in ethischer Hinsicht ist eine solche Praxis problematisch. Der Tierschutz ist Teil der gesellschaftlichen Werteordnung in Deutschland und verfassungsrechtlich verankert. Der Schutz ungeborener Säugetiere vor Leiden und Schmerzen gehört aus Sicht der Bundesregierung zur Gewährleistung eines ethischen Mindestmaßes."

Bei der Frage nach der Verwertung des Pferdefleisches von Stuten, die nicht mehr für die PMSG-Produktion genutzt werden, verweist die Bundesregierung darauf, dass die lebensmittelliefernden Tiere unter Beachtung der fleischhygienischen Voraussetzungen geschlachtet und zu Lebensmitteln verarbeitet werden können. Pferdefleisch werde in Südamerika größtenteils nicht verzehrt, sondern überwiegend nach Frankreich, Belgien und Japan exportiert.

In Deutschland sind sechs Tierarzneimittel, die PMSG enthalten, zugelassen. Zwischen dem 1. Februar 2013 bis 31. Januar 2016 wurden in Deutschland in diesen drei Jahren schätzungsweise 3,8 Millionen (3 798 998) Einzeldosen zur Behandlung von Schweinen eingesetzt. Die Einzeldosis ist ausreichend für eine Behandlung.

Aktuell fordert auch die agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Dr. Kirsten Tackmann, von der Bundesregierung konkrete Vorschläge, wie Importe von Arzneimitteln aus Qualproduktionen künftig verhindert werden könnten.

Vor einem Jahr hatte der bpt in einer Stellungnahme die Aborteinleitung nach PMSG-Gewinnung bei Stuten in Südamerika abgelehnt und die Pharmafirmen aufgefordert, die Einhaltung der europäischen Tierschutzstandards auf südamerikanischen Pferdefarmen sicher zu stellen (vet-consult berichtete).

Nach den dem BVL vorliegenden Informationen gibt es derzeit erste Überlegungen, PMSG mit Hilfe gentechnischer Methoden zu gewinnen. Sollten diese Verfahren zur Praxisreife weiterentwickelt werden, würde sich eine Gewinnung von PMSG aus Pferdeblut erübrigen.

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