Tierschutz

Qualvolle Tiertransporte in Drittländer stoppen!

Viehtransport
Foto: U.Eberhardt

Wegen unhaltbarer Verstöße gegen die Europäischen Anforderungen an den tierschutzkonformen internationalen Viehtransport appelliert die Bundestierärztekammer an die Bundesregierung, auf politischer Ebene aktiv zu werden.

In Anbetracht wiederholt berichteter und dokumentierter eklatanter Tierschutzverstöße im Zusammenhang mit Tiertransporten in Drittländer hält die Bundestierärztekammer es für dringend geboten, Maßnahmen zu ergreifen, um die Erfüllung der Vorschriften der Verordnung (EG) Nr. 1/2005 sowie die Einhaltung der im Europäischen Übereinkommen über den Schutz von Tieren beim internationalen Transport festgelegten Anforderungen zu gewährleisten.


Die Bundestierärztekammer (BTK) bittet die Bundesregierung, auf politischer Ebene:

  • darauf hinzuwirken, dass die im Europäischen Übereinkommen über den Schutz von Tieren beim internationalen Transport festgelegten Anforderungen unbedingt eingehalten werden. Sollte ein Drittland nicht in der Lage sein, eine tierschutzkonforme Abfertigung und Versorgung der Tiere an der Grenze zu gewährleisten, sind weitere Lieferungen von lebenden Tieren in oder durch dieses Drittland zu unterbinden.
  • darauf hinzuwirken, dass eine zügige Abfertigung von Tiertransporten an den Grenzübertritten gewährleistet wird und, sofern Wartezeiten in Einzelfällen unvermeidlich sein sollten, ein zügiges Abladen und eine ordnungsgemäße Versorgung der Tiere während der Wartezeiten in geeigneten und von den zuständigen Behörden zu kontrollierenden Unterbringungen sichergestellt wird,
  • darauf hinzuwirken, dass die Mitgliedsstaaten die zuständigen Abfertigungsbehörden zur Umsetzung der von der Europäischen Kommission aufgestellten Forderungen anhalten,
  • dahingehend auf die Europäische Kommission einzuwirken, dass ein externes Audit beauftragt wird, um festzustellen, ob die im Europäischen Übereinkommen zum Schutz von Tieren beim Transport festgelegten Anforderungen erfüllt werden und, falls das nicht der Fall ist, geeignete Maßnahmen einzuleiten.
Die BTK bittet dementsprechend das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie die zuständigen Länderministerien, ihre nachgeordneten Dienststellen anzuweisen, Transporte nur abzufertigen, wenn die Einhaltung der entsprechenden Vorschriften auf dem Transportweg und insbesondere an den Grenzübergängen z.B. durch Audits belegt wird, damit der Tierschutz ausreichend sichergestellt ist.

Die BTK fordert außerdem die Zuchtverbände dazu auf, keine Transporte von Zuchtvieh zu organisieren, solange deren tierschutzkonformer Ablauf sowie eine ordnungsgemäße Abfertigung an Grenzübertrittstellen nicht sicher zu stellen ist. Tiertransporte sind so zu planen, dass eine Minimierung der Risiken für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere während der gesamten Beförderungsdauer vom Abgangsort bis zum endgültigen Bestimmungsort gewährleistet wird. Dazu müssen auch Witterungsbedingungen berücksichtigt und ggf. während der heißen Sommermonate auf Transporte verzichtet werden.

Es sei sicherlich nicht im Interesse der Handelspartner, dass aufgrund desolater Transportbedingungen und überzogener Wartezeiten ohne tierschutzkonforme Versorgung sorgfältig aufgezogene Zuchttiere ihren Bestimmungsort in schlechtem Zustand erreichen oder sogar während des Transportes verenden. Es liegt in der Verantwortung aller Beteiligten, dass die bestehenden Anforderungen an den Transport von Tieren erfüllt werden. Die Bundestierärztekammer fordert eindringlich alle Stellen dazu auf, dieser Verantwortung gerecht zu werden.

"Wir halten es für dringend geboten, dass endlich Maßnahmen ergriffen werden, die sicherstellen, dass die tierschutzrechtlichen Vorschriften erfüllt werden. Es ist unhaltbar, dass Tiere an der Grenze stunden- oder sogar tagelang bei sengender Hitze, ohne Versorgung mit Futter oder Wasser, in den Transportern ausharren müssen. Es gibt keinen Notfallplan, keine Unterbringung der Tiere in solchen Fällen. Daher dürfen Transporte von lebenden Tieren in ein Drittland wie die Türkei von den EU-Mitgliedsstaaten nicht mehr durchgeführt werden, wenn nicht gewährleistet werden kann, dass bestimmte Anforderungen umgesetzt werden!“, erklärt Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Bundestierärztekammer.

Quelle: Bundestierärztekammer BTK

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