Alternativmedizin

Tierheilpraktier im Stall

Homöopathika
Auch in Zukunft sollen nur Tierärzte Homöopathika aus der Humanmedizin für lebensmittelliefernde Tiere umwidmen können. Foto: Britta Cornelsen, www.pixelio.de

Ein Entwurf für die geplante EU-Verordnung über Tierarzneimittel sieht Einschränkungen bei homöopathischen Präparaten vor. Nach einer Petition von Tierheilpraktikern möchte die Bundesregierung sich für Erleichterungen für Homöopathie in der Tiermedizin einsetzen.

Die Bundesregierung setzt sich für Therapiefreiheit in der Tiermedizin ein. Tierärztin und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Maria Flachsbarth (CDU) sagte, Deutschland setze sich dafür ein, dass bei homöopathischen Arzneimitteln über einem bestimmten Verdünnungsgrad (D4 - 1:10.000) "unter bestimmten Umständen und bei bestimmten Anwendungen Erleichterungen erforderlich sind". Die Bundesregierung habe außerdem auf europäischer Ebene vorgeschlagen, eine neue Regelung in die Verordnung aufzunehmen, wonach es bei mengenmäßig begrenzter Herstellung zu keiner Registrierung mehr kommen müsse, "um die Verfügbarkeit homöopathischer Arzneimittel zu verbessern".

Petition von alternativen Tiertherapeuten

Der Verein Artgerechte Tiergesundheit hatte über 80.000 Stimmen gegen die Pläne der EU gesammelt. Da Tiere der EU-Vorlage nach nur noch Arzneimittel erhalten dürfen, die ausdrücklich als Tierarzneimittel zugelassen oder registriert sind, werde die Bandbreite der natürlichen Therapiemittel verringert. "All das würde den Einsatz von zur Zeit noch erhältlichen, naturheilkundlichen Arzneimitteln und Mitteln zur Gesunderhaltung, wie etwa Kräutern, faktisch unmöglich machen", heißt es in der Petition. Aus Sicht des Verbandes der Tierheilpraktiker Deutschlands sei es "unverhältnismäßig, dass bereits registrierte homöopathische Einzelmittel zusätzlich registriert werden müssen, um sie im Bereich der lebensmittelliefernden Tiere anwenden zu können, obwohl diese Mittel im Humanbereich verwendet werden". Es müsse klar geregelt sein, dass rückstandslose homöopathische Mittel ab Verdünnungsgrad D4 jedem zur Verfügung stehen sollten.

Humanhomöopathika nur von Tieräzten für lebensmittelliefernde Tiere einsetzbar

Eine "Umwidmung" von Humanpräparaten soll gleichwohl auch in Zukunft nur Tierärzten zugebilligt werden, sagte Staatssekretärin Flachsbarth. "Wir glauben, dass das mit Blick auf das Tierwohl und die Verbrauchersicherheit eine vernünftige Regelung ist", betonte sie.

Bereits im letzten Jahr wies die Bundestierärztekammer darauf hin, dass nur Tierärzte durch ihre umfassende Ausbildung und oft jahrelange Weiterbildung nach dem Studium über das Wissen, eine Diagnose zu stellen und eine geeignete Therapie einzuleiten, verfügen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Tierärzte, die ergänzend zu ihrem Studium fundierte Kenntnisse in ganzheitlichen Methoden der Tiermedizin erworben haben. Nur sie können abschätzen, ob eine schulmedizinische oder eine regulationsmedizinische Behandlung wie z.B. Homöopathie, Pflanzenmedizin, zielgerichtete Physiotherapie, Akupunktur oder auch eine Kombination für den einzelnen Patienten sinnvoll und zielführend ist. Eine staatlich geregelte Ausbildung zum Tierheilpraktiker, Tierpsychologen oder Tierphysiotherapeuten gibt es nicht. Neben arzneimittelrechtlichen Bedenken ist daher auch die Qualität der alternativen Betreuung von Tieren durch Tierheilpraktier mit Vorsicht zu betrachten.

Quelle:

Deutsche Apothekerzeitung online

PM Deutscher Bundestag

PM Bundestierärztekammer 17.05.17

Foto: Britta Cornelsen, www.pixelio.de

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