Buchrezension

Tierisch beste Freunde

Buchcover

Beziehung zwischen Mensch und Hund - vom Streicheln, Stress und Oxytocin.

In diesem Buch aus der Reihe „Wissen & Leben“ beleuchten die beiden Autoren die einmalige Beziehung des Menschen zu seinem ältesten Haustier, dem Hund.
Nach einer kurzen Einführung in die Thematik wird die parallele Entwicklung der beiden Jägerspezies Mensch und Wolf in der Altsteinzeit beschrieben. Die sich daraus zum beiderseitigen (Jagd-)Vorteil entwickelnde partnerschaftliche Zusammenarbeit infolge von funktionierender Kommunikation gilt heute als die eigentliche Domestikation.
In den folgenden Kapiteln beginnt eine fesselnde Reise ins Innere der beiden Spezies. Die für Emotionen und Bindungsverhalten verantwortlichen Gehirnabschnitte und Hormone werden erläutert. Wir lernen, dass diese Bindungen nicht nur innerartlich sondern auch zwischen Individuen verschiedener Arten entstehen können. Unweigerlich beginnt meine Hand den eigenen Hund zu kraulen….
Sogar das Kapitel über Genetik und Epigenetik fesselt durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus diesem spannenden Feld der Forschung. Vieles unterscheidet sich erheblich von dem was ich (vor einigen Jahrzehnten) an Schule und Uni gelernt habe! Ein wunderbarer Anstoß, sich auf diesem Gebiet weiter zu informieren. Nicht nur was die Hund-Mensch-Beziehung angeht ein spannendes Thema.
In den letzten Kapiteln wird der Rolle des Hundes, der den Autoren zufolge entscheidend an unserer Menschwerdung („Domestikation des Menschen“) teilhatte, durch die Jahrtausende gefolgt. Seine wachsenden und wechselnden Aufgaben in den neuen Gesellschaftsordnungen werden beleuchtet – bis er schließlich auf unserem Sofa landet.
Das mahnende Schlusswort des ansonsten recht rosig gehaltenen Buches greift für mein Empfinden viel zu kurz. Außerdem fehlt mir wenigstens die Erwähnung der zum Teil erheblichen Probleme der (heutigen) Menschen, mit ihren (heutigen) Hunden adäquat zu kommunizieren. Der Zulauf von Hundeschulen, Verhaltensberatungen und medienaktiver Hundeflüsterer spricht hier für sich.
Nach der Lektüre dieses Büchleins bleibt bei mir die Frage: Wie konnte es bloß dazu kommen?

Rezension:
Christoph Jung / Daniela Pörtl: Tierisch beste Freunde; Mensch und Hund – von Streicheln, Stress und Oxytocin;
1. Auflage 2015; 282 Seiten; Stuttgart; Schattauer GmbH; ISBN 978-3-7945-3132-5;
Preis: EURO (D) 19,99
 
Dr. Anna Tischer, Tierärztin

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