Tipps für junge Tierärzte

Unterschrift setzen
Bild: Klaus

Den Einstieg ins Berufsleben als Tierarzt lernt man in keiner Uni. Welche Versicherung ist wirklich nötig, worauf sollte ich beim Arbeitsvertrag achten? Über ein paar Fragen lohnt es sich, bereits vor dem Berufseinstieg nachzudenken.

Viele Notdienste in der Tiermedizin sind nach wie vor unbezahlt. Ob die aktuelle Mindestlohndebatte daran etwas ändern wird, wird die Zeit zeigen; der Berufsanfänger hat es jedoch auch selbst in der Hand.

Der Arbeitsvertrag
Vor dem ersten Schritt in die Praxis als Angestellter sollte auf jeden Fall der Arbeitsvertrag unterschrieben sein. Vorsicht ist hier geboten bei Pauschalen wie “mit der Zahlung des Gehalts sind sämtliche anfallenden Überstunden abgegolten”. Wer hier unterschreibt, darf sich später nicht über ein mangelndes Gehalt bei zu wenig Freizeit wundern. Auch Ausschlussfristen im Arbeitsvertrag wie “innerhalb von drei Wochen muss aller Anspruch geltend gemacht werden” bergen Gefahren, hat man doch gerade als junger Tierarzt häufig alles andere im Kopf, als jede Abrechnung genauestens zu prüfen. Ist die Frist von drei Wochen nach der Gehaltsabrechnung abgelaufen, besteht in diesem Falle kein Anspruch mehr auf eine Korrektur.
Doch nicht nur die Bedingungen im Arbeitsvertrag sollten vor dem ersten Schritt geklärt sein; auch eindeutige Verhandlungen über weiche Faktoren wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld schaffen Klarheit im Berufsalltag.

Versicherungen: der Wald aus Möglichkeiten
Mit Versicherungen beschäftigen sich die meisten Berufsanfänger nicht gern, warten doch nach dem Tiermedizinstudium viele andere Herausforderungen im neuen Job. Um das Dickicht der zahlreichen Versicherungen auf dem Markt etwas zu lichten, hat die Gesellschaft Defino (Deutsche Finanznorm) eine Reihenfolge der vier für junge Akademiker wichtigsten Versicherungen aufgestellt:

Berufsunfähigkeit am besten als Student noch abschließen
Eine Privathafttpflichtversicherung hat jeder Student meist noch über seine Eltern; ist das Studium beendet, empfiehlt die Defino, diese als erste abzuschließen. Gut beraten ist jedoch, wer noch als Student eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat, denn dann sind die Konditionen am günstigsten. “Unfälle? Die passieren doch nur beim Großtier”, mag sich der ein oder andere denken. Doch laut dem Gesamtverband der Versicherungswirtschaft meldete mit 32% der größte Teil der Berufsunfähigen im Jahr 2014 nicht wegen körperlicher Schäden, sondern wegen psychischen Erkrankungen Anspruch auf die Rente an. Auf Platz zwei folgen mit 21% der Versicherungsfälle Einschränkungen des Bewegungsapparats, auf Platz drei mit 15% Krebserkrankungen; alles drei Dinge, die man auch mit größter Vorsicht nicht verhindern kann.

Aktuell wird jeder vierte vorzeitig berufsunfähig, über die Hälfte davon ab einem Alter von 50 Jahren. Daher sollte man sich mit der BU auf jeden Fall bis 67 Jahre absichern. An der Laufzeit zu sparen, könnte einen im Alter ärgern.
Die passende Krankenversicherung zu finden, ist laut Defino auf Platz drei der Prioritäten, auf Platz vier folgt eine Unfallversicherung.

Rente-Sonderregelungen für Kammerberufe
Der Beruf des Tierarztes zählt, ebenso wie beispielsweise ein Jurist oder Humanmediziner, zu den Kammerberufen. Daher haben sie ein eigenes Versorgungswerk, bei dem Pflichtmitgliedschaft herrscht - sie zahlen also nicht in die deutsche Rentenversicherung ein. Stattdessen zahlen sie ihrem jeweiligen Versorgungswerk einen Beitrag – je nach Wohnort ist das mal größer (Bayern) oder auch das kleinste Versorgungswerk Deutschlands, Westfalen-Lippe.
Drei Monate nach Beginn eines neuen Berufes muss sich das Kammermitglied von der Versicherungspflicht in der deutschen Rentenversicherung abgemeldet haben, ansonsten muss er beide Beiträge zahlen – ohne jedoch von beidem letzten Endes Auszahlungen zu bekommen: die deutsche Rentenversicherung zahlt eine Rente erst ab fünf Jahren Einzahlung aus, und das ist selten der Fall.
Ein wenig Beschäftigung mit den bei vielen Tiermedizinern so unliebsamen Fragen zu Finanzen, Versicherungen und Verträgen kann also bei jedem zukünftigen Tierarzt die Gefahr böser Überraschungen als neuer Arbeitnehmer verringern.

Quellen:

www.gdv.de

Bild: Alexander Klaus  / pixelio.de

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