Generationswandel

"Leben, um zu arbeiten" vs. "Leben beim Arbeiten"

Gehalt
Der Bruttojahresverdienst der angestellten Tierärzte lag im Durchschnitt bei 36.000 € mit einem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von 13,30 € (Nutztier 15,30 €, Kleintier 12,80 €, Pferde 12,00 €). Foto: Uwe Wagschal, pixelio.de

Diverse Quellen berichten von langen Arbeitszeiten und geringem Einkommen bei deutschen praktizierenden Tiermedizinern und beschreiben ein erhöhtes Stressniveau. Zu Konflikten zwischen Arbeitgebern und jungen Tierärzten kann auch das veränderte Werteverständnis auf dem veterinärmedizinischen Arbeitsmarkt führen.

Während die Generation der "Babyboomer" in einer Zeit geboren wurde (zwischen 1946 und 1964), in der der Ansatz „leben, um zu arbeiten“ verbreitet war, wird der Generation X (geboren zwischen 1965 und 1980) die Einstellung "arbeiten, um zu leben" nachgesagt. Konflikte und Verständnisprobleme zwischen älteren Arbeitgebern und Studienabsolventen der Generation Y (geboren nach 1980) tauchen nicht zuletzt deshalb auf, weil sich der Stellenwert der Arbeit verschoben hat und letztere "beim Arbeiten leben" möchten.

Basierend auf einer Umfrage unter praktizierenden Tiermedizinern in Deutschland wurden die Arbeitsbedingungen (Arbeitszeiten und Einkommen) und die damit verbundenen Zufriedenheiten aller Generationen praktizierender Tiermediziner in Deutschland erfasst und etwaige Veränderungen zur Situation von 2006 (Friedrich, 2007) untersucht. Auch eine Gegenüberstellung der Situation praktizierender Tiermediziner mit vergleichbaren Berufsgruppen der deutschen Bevölkerung erfolgte. Dafür wurden die Antworten von 1930 Fragebögen (= 9 % der Zielpopulation) aus dem Frühjahr 2016 ausgewertet:

Umfrageteilnehmer: Assistenten und Generation Y waren in der Stichprobe überrepräsentiert. Als Ursache wird die Verbreitung der Studie über Facebook genannt. Diese Personen waren deutlich jünger als andere Umfrageteilnehmer. Besonders viele Umfrageteilnehmer kamen aus den Bundesländeren, in denen die Landestierärztekammern die Umfrage in ihren Informations-E-Mails verbreiteten. Etwa 54 % (n = 1039; Frauenanteil 83 %) der Teilnehmer behandelten vorwiegend Klein- und Heimtiere, 11 % (n = 208; Frauenanteil 77 %) vorwiegend Pferde, ebenfalls 11 % (n = 212; Frauenanteil 73 %) überwiegend Nutztiere, und 24 % (n = 467; Frauenenteil 74 %) arbeiteten in einer Gemischtpraxis. Im Median waren angestellte Tiermediziner in der Studie 33 Jahre und niedergelassene Tiermediziner 50 Jahre alt.

Ergebnisse: Die Wochenarbeitszeit vollzeittätiger Tiermediziner war hoch (Median 50 Stunden), insbesondere Pferdepraktiker hatten lange Arbeitszeiten. Väter arbeiteten fast 19h in der Woche länger als Mütter. Fast 50 % der angestellten Tiermediziner arbeiteten länger als gesetzlich erlaubt. Vollzeittätige, niedergelassene Tiermediziner verdienten signifikant mehr (Stundenlohn Männer 26 €, Frauen 19 €) als angestellte Tiermediziner (Bruttostundenlohn Männer 14 €, Frauen 13 €). Seit 2006 hat sich das Gehalt der angestellten Tiermediziner etwas verbessert, sie verdienten aber signifikant weniger als gleichqualifizierte Akademiker. Insbesondere bei in Kliniken tätigen Berufsanfängern kamen Mindestlohnunterschreitungen vor. Teilnehmer mit langen Arbeitszeiten und geringem Einkommen waren unzufriedener mit ihrer Arbeit. Im Vergleich zu gleichqualifizierten Akademikern der deutschen Bevölkerung waren angestellte Tiermediziner und Tierärztinnen unzufriedener mit den meisten Teilbereichen ihres Lebens.

Die Ergebnisse rufen dazu auf, die Arbeitsbedingungen und Zufriedenheit praktizierender Tiermediziner in Deutschland zu hinterfragen und zu diskutieren.

Die Veröffentlichung von Kersebohm JC, Doherr MG, Becher AM: "Lange Arbeitszeiten, geringes Einkommen und Unzufriedenheit: Gegenüberstellung der Situation praktizierender Tiermediziner mit vergleichbaren Berufsgruppen der deutschen Bevölkerung" in Berl Münch Tierärztl Wochensch 2017 steht als open access-Artikel auf vetline.de zur Verfügung.

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