Was bedeutet Tierwohl für Tierärzte?

Stroh-Einstreu im Abkalbestall
Foto: Berkemeier

In der aktuellen Diskussion um Tierschutz melden sich Tierärzte nur selten zu Wort. Dabei können fachliche Einschätzungen die emotionale Debatte um das Tierwohl versachlichen. Nun liegt die erste Studie zum Tierwohlverständnis der deutschen Tierärzteschaft vor.

Tierärzte stehen in direktem Kontakt zum Tierhalter. Dadurch verfügen sie über Einblicke in die landwirtschaftliche Nutztierhaltung sowie über die Fachkenntnis, deren Vereinbarkeit mit dem Tierschutzgesetz einschätzen zu können.
Daher interessierten sich nun der Agribusiness-Zweig der Uni Göttingen und die Tierärztliche Hochschule Hannover für die Kriterien, nach denen Tierärzte das Tierwohl beurteilen. Sie werteten 348 online ausgefüllte Fragebögen deutscher Tierärzte jeglicher Spezialisierung aus.
 
Haltung, Management, Gesundheit und Verhalten wichtig
 
Dabei kam heraus, dass die Studienteilnehmer sich im Großen und Ganzen einig sind. Die Antworten lassen sich in vier große Kategorien einteilen: Tiergesundheit, Tierverhalten, Haltungssystem und Betriebsmanagent. Für wichtig halten 95% der Befragten die ersten beiden direkt auf das Tier bezogenen Punkte Gesundheit und Verhalten (s. Grafik) Dabei ist ihnen die Möglichkeit zur Ausübung artgerechter Verhaltensweisen mit 179 Nennungen am wichtigsten.

Die fünf Kategorien zur Einschätzung des Tierwohls
Grafik: H. Heise
Knapp 90% der der Teilnehmer sehen das Haltungssystem und das Management des Betriebes als wichtig an. Dabei führen das Platzangebot mit 183 Nennungen und die optimale Versorgung mit Futter und Wasser mit 162 Erwähnungen diese eher ressourcen- statt einzeltierbasierten Kategorien an. Hierzu werden auch die Betreuung der Tiere, Stalleinrichtung und –klima sowie Gruppengröße und Auslauf gezählt. Überraschend selten wurde mit 54 Nennungen eine ausreichende Beschäftigung als wichtig angesehen.
Gespalten wurde die Tierärzteschaft darüber, ob die Tierleistung im Zusammenhang mit dem Tierwohl steht. Mussten sie diesem Punkt eine Bedeutung zuordnen, so fanden die Leistung zwar 45% relevant und 45% konnten sich nicht festlegen, sodass sie mit „teils/teils“ antworteten. Von sich aus nannten es mit 30 aus 348 Teilnehmern dagegen nur 8%.
 
Die meisten Tierärzte, die an der Studie teilgenommen haben, sind in Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ansässig. Da in diesen Ländern besonders viele Nutztiere gehalten werden, spricht dies dafür, dass besonders viele Nutztierärzte ihre Meinung zum Thema Tierschutz abgegeben haben.
 
 
Quelle: H. Heise, N. Kemper, L. Theuvsen

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