Weltweit lasche Regelungen zu Antibiotikagebrauch

Medikamente
Bild: Tim Reckmann / pixelio.de

Laut Weltorganisation für Tiergesundheit gibt es in 110 Staaten weltweit keine ausreichende Gesetzgebung. Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern sind Antibiotika frei erhältlich und werden von ungeschulten Personen angewendet.

Obwohl einige Länder bereits strenge Regeln zum Kauf und Einsatz von Antibiotika vorweisen, sieht die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) wenig Chancen, dass die restlichen Länder gleichziehen werden. Der Weg hin zu effektiven Regelungen der Rest der Welt wird wahrscheinlich “lang, schwierig und kontrovers, um nicht zu sagen illusorisch”, so die OIE nach der ersten weltweiten Antibiotika-Woche, die unter dem Motto “Antibiotika: mit Vorsicht behandeln” vom 16.-22. November von der WHO veranstaltet wurde.

Antibiotika oft frei erhältlich

In vielen Entwicklungs- oder Schwellenländern seien Antibiotika frei erhältlich für jedermann, ob direkt oder indirekt. Darüber hinaus seien sie oft gepanscht, enthalten also entweder eine geringere Wirkdosis als angegeben, einen ganz anderen Wirkstoff oder sogar ein Placebo. Davon seien Tausende Tonnen in Umlauf.
Doch nicht nur in wirtschaftlich schwachen Ländern fehlt die Sorgfalt beim Umgang mit Antibiotika: in den USA ist der Einsatz von antibiotischen Wachstumsförderern in der Tiermast erlaubt - hier kann sich jeder Landwirt die Mittel frei aus dem Internet bestellen. Auch auf Obstbäumen werden Antibiotika gegen bakterielle Erreger eingesetzt, und zwar auch das in mehreren Ländern, die Mitglied in der Organisation für wirtschaftliche Kooperation und Entwicklung (OECD) sind.

Auch Rückschritte sind möglich
Manche Länder haben sogar jüngst die tierärztliche Verschreibungspflicht für viele Medikamente gekippt. Die OIE erwartet hier mannigfaltige Schwierigkeiten bei Fragen der Verantwortlichkeit für Tierseuchen. Die Risiken bei dieser Praxis der Selbstversorgung mit Antibiotika vieler Landwirte seien ungleich größer als die Gefahr von Fehlern bei der Verschreibung durch Tierärzte, sodass nicht wenige Länder einen steigenden Antibiotikaverbrauch seit Einführung der freieren Antibiotikaregelungen sehen.

Laut Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe sterben jedes Jahr weltweit 700.000 Menschen durch resistente Keime - aber nur ein Viertel der Staaten hätten Maßnahmen zur Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen ergriffen.

Schnelle Reaktionen in Deutschland
In Deutschland rief der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) insgesamt sieben Fastfoodketten dazu auf, sich für die Begrenzung des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung stark zu machen.

Das Landwirtschaftsministerium von Mecklenburg-Vorpommern betonte die Wichtigkeit von Antibiotika-Minimierungskonzepten und forderte eine Nachjustierung bei der Antibiotika-Datenbank, da in dem Bundesland viele Tierhalter ihrer Mitteilungspflicht zu Antibiotika (16. AMG-Novelle) nicht nachkommen. 60 Betriebe hätten im ersten Halbjahr 2015 fälschlicherweise keinen Gebrauch der wichtigen Arzneimittel gemeldet, sodass diese die Statistiken verfälschten.

Durch Tourismus und die weitere Globalisierung des Lebensmittelmarktes sind resistente Keime eine globale Fragestellung. Striktere, oder überhaupt Vorgaben zum Gebrauch von Antibiotika sind also kein Problem, was sich auf nationaler oder europäischer Ebene lösen lässt – der Kampf gegen resistente Bakterien ist nur mit einem globalen Konzept zu gewinnen.

Quelle:

OIE, BMEL, AgE

Bild: Tim Reckmann  / pixelio.de

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