Pressegespräch der BKT

Insektenkunde versus Sperrbezirk

Stechmuecke
Potentieller Überträger von Seuchenerregern? Die Tierseuchenbekämpfung erfordert mehr entomologisches Wissen. Foto: Stefan Klaffehn, pixelio.de

Insekten als Überträger von Krankheiten gewinnen zunehmend an Bedeutung. Trotzdem muss das Wissen über Anzeichen klassischer Tierseuchen auch an die jungen Tierärzte weitergegeben werden. Die Tierseuchenbekämpfung ist im Wandel.

"Die gute Nachricht ist, dass der aktuelle deutsche Tierseuchenbericht in den letzten Jahren durch erfolgreiche Tierseuchenkontrollprogramme der bedeutendsten Tierseuchenerreger recht langweilig geworden ist", sagte Prof. Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI). Die weltweite Ausbreitung von Tierseuchen über Vektoren verlange jedoch große Achtsamkeit und Aufklärung. Der Mensch als Überträger und Verbreiter im weltweiten Personen- und Güterverkehr und tierische Vektoren wie Insekten aber auch Wildvögel sind in das Zentrum der Aufmerksamkeit geraten.

Achtung ASP
Maßnahmen zur Aufklärung von Bevölkerung, Saisonarbeitern und Reisenden, wie hier bei der Plakataktion des BMEL zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest, sollen Verbreitungsrisiken minimieren.

Prophylaxe und Entomologie
"Die klassischen Maßnahmen der Tierseuchenbekämpfung waren für die klassischen Tierseuchenerreger erfolgreich", erklärte Prof. Hans-Joachim Bätza, Leiter des Referats Tiergesundheit im BMEL. Gegen die vektorübertragenen Tierkrankheiten hingegen sind Absperrung, Keulung und Desinfektion nicht ausreichend, sie erfordern Maßnahmen zur Minimierung der Ausbreitungsgeschwindigkeit in internationaler Dimension, Biosicherheitsmaßnahmen in den Betrieben und prophylaktische Impfungen. Aus- und Fortbildung in entomologischem Sachverstand wird für Tierärzte zukünftig bedeutsam.

Aufklärung und Diskussion
Dr. Siegfried Moder, Präsident des BPT, beschrieb Erfahrungen bei der praktischen Umsetzung von staatlichen Tierseuchenbekämpfungsmaßnahmen, wie jüngst bei der Tuberkulose-Bekämpfung in Bayern. Durch emotional geleitete Diskussionen in der Bevölkerung sei die Akzeptanz von staatlichen Bekämpfungsmaßnahmen nicht immer gegeben und viel Zeit für sachliche Aufklärung sei einzurechnen. Auch er wies auf die Bedeutung des Wissenstransfers über getilgte Tierseuchen an junge Kolleg/Innen hin.

Die Antwort auf die Frage, ob es in absehbarer Zeit mit Blauzungenimpfungen in Deutschland zu rechnen ist, werde in Kürze durch die offiziellen Empfehlungen der StiKoVet am FLI bekanntgegeben.


Im Rahmen der Grünen Woche hatte die Bundestierärztekammer zum Pressegespräch über den Schutz von Nutztierbeständen vor vektorübertragenen Krankheiten geladen.

Foto: www.pixelio.de, ©Stefan Klaffehn

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