Tierzucht

Hochleistungszucht nach Tierschutzgesetz einschränken

BTK Logo

Die Bundestierärztekammer kritisiert die leistungsorientierten Zuchtwertkriterien in der Nutztierzucht und fordert vom BMEL, erblich bedingte Krankheitsrisiken nach Tierschutzgesetz zu beschränken.

Die Bundestierärztekammer (BTK) hat anlässlich der Delegiertenversammlung eine Resolution zu Zuchtzielen in der Nutztierzucht verabschiedet. Darin wird die Ungleichheit zwischen züchterischer Leistungsfähigkeit und der Gesundheit der Tiere thematisiert. Denn neben klassischen Infektionskrankheiten spielen leistungs- und managementabhängige Erkrankungen eine immer größere Rolle in der Nutztierpraxis. Im Rahmen der Zuchtwertfeststellung stehen nach wie vor leistungsorientierte Kriterien im Vordergrund, ohne auf die erhöhte Anfälligkeit der Tiere ausreichend Rücksicht zu nehmen.

Nicht jeder Betriebsleiter ist in der Lage, die Gesunderhaltung der Hochleistungsmilchkuh oder das Überleben der überzähligen Ferkel sicherzustellen. Für die Tierärzteschaft besteht bei geltender Rechtslage derzeit keine Möglichkeit, auf das Ungleichgewicht zwischen leistungsorientierten Zuchtzielen und damit in der Folge auftretenden Gesundheit- und Tierschutzproblemen Einfluss zu nehmen. Auch durch Managementmaßnahmen und das Ausschöpfen tierärztlicher Behandlungsmöglichkeiten können die züchterisch bedingten Gesundheitsprobleme nicht ursächlich beseitigt werden.

Die Bundestierärztekammer fordert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft daher auf:

  1.  von der Ermächtigungsgrundlage des § 11 b Abs. 4 Tierschutzgesetz Gebrauch zu machen und über eine Rechtsverordnung erblich bedingte Krankheitsrisiken in der Nutztierzucht näher zu bestimmen und die Zucht mit bestimmten Nutztierrassen bzw. Linien zu verbieten oder zu beschränken, wenn dieses Züchten zu Verstößen gegen § 11 b Abs. 1 Tierschutzgesetz führen kann.
  2. konkrete Ausführungsbestimmungen für die Verpflichtung der Landwirte zur Erhebung und Bewertung tierbezogener Tierschutzindikatoren gemäß § 11 (8) TierSchG zu erlassen und zu verfügen, dass im Rahmen der risikoorientierten Fachrechtskontrollen landwirtschaftlicher Betriebe die Umsetzung dieser Verpflichtung kontrolliert wird.

Quelle: Bundestierärztekammer

Vet-consult Magazin

Online-Kurse