EU-Parlament will Antibiotika im Stall drastisch begrenzen

Petrischale
Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin wird in Zukunft sehr viel stärker kontrolliert

Nach zweieinhalbjährigen Debatten um die Änderung des EU-Arzneimittelgesetzes rücken die alarmierenden Antibiotikaresistenzen beim Menschen in den Fokus der Tiermedizin

Der Mehrheitsbeschluss des EU-Parlamentes in Straßburg zur Eindämmung von Antibiotika und schärferen Kontrollen in der Tiermast wird von Europaabgeordneten aller Parteien begrüßt.

„Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin wird in Zukunft sehr viel stärker kontrolliert. Bestimmte Antibiotika, die bei Menschen als letztes Mittel eingesetzt werden (sogenannte Reserveantibiotika), werden in der Tierzucht komplett verboten“, erläuterte der gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion im EU-Parlament, Peter Liese, nach der Abstimmung. Durch den unkritischen Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht entstünden resistente Keime entstehen, die auch auf den Menschen übertragen werden können. Neben der Tier zu Mensch-Übertragung werden Keime ebenso von Landwirten oder Tierärzten bei Besuchen oder der Aufnahme in Krankenhäusern eingeschleppt. Insgesamt sterben durch Antibiotikaresistenzen jährlich 25.000 Menschen in der EU nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Landwirte und Veterinäre müssen in Zukunft über Antibiotika in der Tiermast lückenlos Buch führen

„Antibiotikaresistenzen sind eine der drängendsten globalen Gefahren. Bislang werden doppelt so viele Antibiotika in der Tiermast wie in der Humanmedizin eingesetzt. Es ist ein großer Erfolg, dass Reserveantibiotika künftig den Menschen vorbehalten bleiben sollen“, sagte der agrarpolitische Koordinator der Grünen im EU-Parlament, Martin Häusling.

Bessere Haltungsbedingungen und die Separierung kranker Tiere könnten dazu beitragen, den Antibiotikaeinsatz runterzufahren. Jetzt gehe es darum, dass die neuen Vorschriften auch umgesetzt würden, mahnte Häusling eine rasche Einigung bei den anstehenden Trilog-Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten an. „Umfassendes Datenmaterial zum Verkauf und zur Verwendung von Antibiotika sind ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den übermäßigen Antibiotika-Einsatz“. Auf Drängen der Grünen schreibe die neue EU-Verordnung fest, dass Daten über die Verwendung antimikrobieller Arzneimittel auf jedem Bauernhof in der Europäischen Union künftig verpflichtend vorgeschrieben und von Landwirten sowie Tierärzten protokolliert werden müssen.

Nur noch in Fällen mit hohem Infektionsrisiko

Das EU-Parlament hat am 25. Oktober 2018 Maßnahmen zur Begrenzung des Einsatzes von Antibiotika in landwirtschaftlichen Betrieben zugestimmt. Tierarzneimittel dürften unter keinen Umständen zum Ausgleich für schlechte Bedingungen in der Tierzucht eingesetzt werden, betonten die Abgeordneten laut aiz.info.

Das Gesetz soll die Verwendung von antimikrobiellen Mitteln als vorbeugende Maßnahme, wenn keine klinischen Anzeichen einer Infektion vorliegen, auf einzelne Tiere beschränken und nicht mehr bei Tiergruppen zulassen. Die Medikamente sollen nur dann verwendet werden, wenn dies von einem Tierarzt ausführlich gerechtfertigt wird - in Fällen mit hohem Infektionsrisiko.

Die metaphylaktische Verwendung (Behandlung einer Gruppe von Tieren, wenn nur eines Anzeichen einer Infektion aufweist) sollte ein letzter Ausweg sein und nur dann erfolgen, wenn ein Tierarzt eine Infektion diagnostiziert und die Antibiotika verschrieben hat, so die Regelung. Zur verbesserten Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen würde das Gesetz die EU-Kommission ermächtigen, bestimmte Antibiotika zu bestimmen, die nur noch bei Menschen eingesetzt werden dürfen.

Keine Wachstumsförderer

Wie von den Abgeordneten vorgeschlagen, schreibt der Text auch vor, dass importierte Lebensmittel den EU-Normen entsprechen müssen und dass Antibiotika nicht zur Förderung des Wachstums von Tieren verwendet werden dürfen.

Zur Förderung der Erforschung neuer antimikrobieller Mittel sieht die neue Regelung Anreize vor, wie etwa längere Schutzzeiträume für die technische Dokumentation neuer Arzneimittel, den Schutz geschäftlicher Interessen an innovativen Wirkstoffen und den Schutz von erheblichen Investitionen in Daten, die erhoben werden, um ein bestehendes antimikrobielles Produkt zu verbessern oder es auf dem Markt zu halten.

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