Fleisch aus dem Labor – schon bald auf dem Teller?

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Schon bald sollen die ersten Burger aus der Petrischale stammen. Foto: Werkbild

Mehrere Dutzend Unternehmen versuchen derzeit Fleisch durch Zellvermehrung zu produzieren. Bereits Ende 2020 soll die Technologie Praxisreife erreichen.

Gut ein halbes Dutzend Unternehmen in San Francisco und im Silicon Valley arbeiten an der Entwicklung von künstlichem Fleisch. "Clean Meat" - sauberes Fleisch. Gemeint ist Fleisch, das nicht von einem Tier stammt, sondern in einem Bio-Reaktor gezüchtet wurde. Geht es nach den Protagonisten des Clean Meat, könnte sich die Art der Fleischproduktion in den kommenden Jahrzehnten grundlegend wandeln. Mit Fleisch aus dem Bio-Reaktor, im dem den Tieren entnommene Zellen vermehrt werden, könnte die weltweit steigende Nachfrage bedient werden, ohne dass Tiere getötet werden müssen. Didier Toubia, vom israelischen Start Up Aleph Farms ist sich zudem sicher, dass für das Fleisch weniger Rohstoffe und Energie benötigt werden und das Fleisch frei von krankmachenden Keimen sein wird.

Erste Produkte für die Gastronomie

Auf  dem Kongress Farm & Food 4.0 vor, der am Rande der Internationalen Grünen Woche  in Berlin stattfand, wurde gemutmaßt, dass bis Ende 2020 ein vermarktungsfähiges Produkt entwickelt werden kann. Dabei handelt es sich um in einem Nährmedium vermehrte Muskel-, Fett-, Blut- und Stützzellen, die so miteinander verbunden werden, dass das Produkt in Geschmack, Textur und Verarbeitungsqualität einem Rindersteak entspricht. Zwei Jahre wird  für das Zulassungsverfahren eingeplant, sodass das erste In-Vitro-Fleisch 2022 auf den Markt kommen könnte. Zunächst sei der Vertrieb über die Gastronomie geplant, bei einer steigenden Produktion auch der Verkauf im Lebensmitteleinzelhandel.

Gesund und nachhaltig Fleisch konsumieren

Die Ökotrophologin Simone Frey ist davon überzeugt, dass sich diese Produkte im Markt schnell durchsetzen werden. Gesundheit und Nachhaltigkeit seien zwei entscheidende Verbraucherwünsche, die vom Clean Meat getroffen werden. Fabio Ziemßen vom Einzelhandelskonzern Metro ist sich sicher, dass sich der Handel „diesen neuen Lösungen radikal öffnen muss“.

Akzeptanz des Verbrauchers entscheidend

Bei der Frage, wie der Verkauf des Clean Meat reguliert werden soll, sieht Prof. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstitutes für Risikobewertung, noch einige offene Punkte. Wer neue Lebensmittel auf den Markt bringe, müsse zeigen, dass sie genauso sicher sind wie ein konventionelles Produkt. Bei der Frage, ob die vermehrten Zellen als Fleisch bezeichnet werden dürfen, seien die Erwartung und die Wahrnehmung des Verbrauchers entscheidend. Eine entscheidende Frage für die Akzeptanz des Verbrauchers sei zudem, ob bei der Produktion gentechnische Verfahren eingesetzt werden und welche Komponenten die Nährlösungen enthalten. Gentechnisch verändert werden die Zellen nicht, betonte Didier Toubia. Welche Rohstoffe für die Nährlösungen benötigt werden, wollte er dagegen nicht preisgeben. Der Wissenschaftler sieht für das In-Vitro-Fleisch einen gigantischen Markt von 1 Billion US-$.

Quelle: agrarzeitung

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