Antibiotikaminimierung

Kalb und Geflügel: Antibiotikaverbrauch hoch

Putenmast
Foto: LWKammer

In deutschen Kälbermast- und Geflügel-Ställen werden immer noch mehr Antibiotika verabreicht, als die Bundesregierung vorschreibt. Der NDR und die Süddeutsche Zeitung veröffentlichen einen internen Bericht.

Die Antibiotika-Reduzierungsstrategie geht nicht auf. Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet, habe sich am hohen Einsatz von Antibiotika in der Hühner- und Putenhaltung sowie in der Kälbermast in den vergangenen Jahren nichts verändert. Dies geht aus einem internen Evaluierungsbericht des Bundesagrarministeriums (BMEL) hervor, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Damit habe die Bundesregierung ihr Ziel verfehlt, den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren, wie es in der Änderung des Arzneimittelgesetzes 2014 vorgeschrieben wurde.

Gesunken sei die Vergabe von Antibiotika an Schweine und Ferkel in den vergangenen drei Jahren um 40 Prozent. Beim Geflügel hingegen habe die Entwicklung nicht die an das Antibiotikaminimierungskonzept gestellten Erwartungen erfüllt, zitiert die SZ aus dem BMEL-Bericht. Den Gründen müsste noch nachgegangen werden.

Großbetriebe unter Verdacht

Aufällig sei, dass die Halter von Hühnern und Puten zwar weniger Antibiotikaeinsätze melden, die insgesamt verabreichte Menge der Medikamente jedoch nicht gesunken sei. Das BMEL geht deshalb davon aus, dass vor allem das in der Hühnermast oft verwendete Mittel Colistin erheblich höher dosiert wird als in den Zulassungsbedingungen vorgesehen. Colistin gehört zu den kritischen Wirkstoffen oder Reserveantibiotika, die die Weltgesundheitsorganisation WHO besonders wichtig für die Behandlung von Menschen einstuft. 

NICHTS MEHR VERPASSEN