So können wir nicht mit Tieren umgehen!

Podium AG Qualzucht
Foto: BTK

Am 30. Januar 2019 wird die Bundestierärztekammer (BTK) die neue Arbeitsgruppe „Qualzucht bei Nutztieren“ konstituieren. Daran beteiligt sind neben der BTK, der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt), der Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT), die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT).

Diese Verbände arbeiten schon seit 2015 sehr erfolgreich in der AG „Qualzucht“ zusammen, die sich bisher dem Kleintier-/Heimtierbereich gewidmet hat. Mit der neu gegründeten AG „Qualzucht bei Nutztieren“ wird ab Ende Januar die Arbeit auf den Nutztiersektor ausgedehnt.

Ethik-Kodex verpflichtet Tierärzte zum handeln

„Als Qualzucht bezeichnet man bei der Züchtung von Tieren die Duldung oder Förderung von Merkmalen, die mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Verhaltensstörungen für die Tiere verbunden sind. Dies ist nach § 11b Tierschutzgesetz in Deutschland verboten. Mängel in Haltung, Fütterung und Management können die züchtungsbedingten Probleme auslösen oder verstärken“.

„Die deutschen Tierärzte sind durch ihre Berufsordnung und durch ihren Ethik-Kodex verpflichtet, zur Sicherung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Tiere beizutragen. Insbesondere lehnen wir alle Maßnahmen ab, durch die Tiere Leistungen erbringen sollen, die ihre physische oder psychische Anpassungsfähigkeit überfordern oder die negative Konsequenzen für ihre Gesundheit und/oder ihr Wohlbefinden haben“, erklärt Dr. Ratsch.

"So können wir nicht mit den Tieren umgehen!"

Auf die stark optimierte Leistung der Milchkühe und der damit verbundenen Zunahme an Produktionskrankheiten ging Prof. Martens ein. „Laktationsleistungen von 8.000 kg, 10.000 kg, 12.000 kg oder mehr sind nicht ungewöhnlich. Als Folge dieser extremen Leistungssteigerung leiden die Tiere bspw. unter Gebärparese, Labmagenverlagerung, Nachgeburtsverhaltungen, Gebärmutterentzündungen, Fruchtbarkeitsstörungen, Stoffwechselstörungen wie Fettleber und Ketose, Euterentzündungen und Klauenerkrankungen“, mahnt Prof. Martens. „So können wir nicht mit Tieren umgehen“, appelliert der Veterinär-Physiologe. Neben den Kühen zählt der Professor auch die betroffenen Landwirte zu den Leidtragenden, die unfreiwillig in diese Situation geraten sind.

Die Zucht zu einseitig auf Leistungsparameter ausgelegt?

Die Zucht landwirtschaftlicher Nutztiere hat als wichtigstes Ziel die wirtschaftlich wichtigen Körperfunktionen zu optimieren. „Beim Schwein sind das die Anzahl der Ferkel je Muttersau und Wurf bzw. Jahr, die Anzahl der Geburten im Leben jeder Muttersau und die tägliche Zunahme beim Mastschwein. Jede dieser Körperfunktionen kann zu tierschutzrelevanten Schäden führen, wenn die Zucht zu einseitig auf Leistungsparameter ausgelegt wird“, sagt der Vorsitzende des BTK-Ausschusses für Tierschutz. So lässt sich z. B. durch einen frühen Absetztermin die Zahl der pro Sau und Jahr geborenen Ferkel steigern. Doch dadurch folgen die Geburten zu schnell aufeinander, was eine Überlastung der Sau und eine geringere Lebenserwartung zur Folge haben kann. „Laut  Tierschutznutztierhaltungsverordnung dürfen Saugferkel unter drei Wochen nur abgesetzt werden, wenn es zum Schutz vor Schmerzen, Leiden oder Schäden erforderlich ist. Wird also routinemäßig ein künstliches Ammensystem verwendet, weil die Sau nicht alle Ferkel versorgen kann, ist damit implizit zugestanden, dass der Qualzuchtparagraph erfüllt ist“, erläutert Prof. Richter.


Quelle: BTK

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