Tierärzte kaufen insgesamt deutlich weniger Antibiotika

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Landwirt und Tierarzt sollten gemeinsam prüfen, welche antibiotischen Behandlungen im Betrieb sinnvoll sind. Foto: Heil

Die pharmazeutische Industrie und der Großhandel haben im vergangenen Jahr deutlich weniger Antibiotika an Tierärzte in Deutschland abgegeben; allerdings sind die Abgabemengen von Wirkstoffen, die auch eine besondere Bedeutung für die Therapie beim Menschen haben, gestiegen.

Wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mitteilte, ging die 2015 Gesamtmenge der an Veterinäre ausgereichten Antibiotika im Vergleich zum Vorjahr um 401 t oder 32 % auf 837 t zurück.

In Deutschland hat sich die in der Tiermedizin abgegebene Menge an Antibiotika zwischen den Jahren 2011 und 2015 von 1.706 auf 837 Tonnen mehr als halbiert. Das ergab die Auswertung der inzwischen im fünften Jahr erhobenen Abgabemengendaten für Antibiotika durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Besonders stark ging die Menge von 2014 auf 2015 um 401 Tonnen (32 Prozent) zurück. Tierärzte sehen darin einen Erfolg des staatlichen Antibiotika-Monitorings. Durch dieses Programm sei der Druck auf Tierhalter mit einem besonders häufigen Antibiotikaeinsatz erhöht worden.Zuordnung zu Tierarten nicht möglich

Von 2011, dem ersten Jahr der Erfassung, bis 2015 wurde jedoch auch für einige Wirkstoffklassen ein Anstieg der Abgabemengen festgestellt, darunter Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. Generation. Diese beiden Antibiotikaklassen sind für die Therapie beim Menschen von besonderer Bedeutung. Die gemeldeten Wirkstoffmengen lassen sich nicht einzelnen Tierarten zuordnen, da die Mehrzahl der Wirkstoffe für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen ist, so das BVL. Auch eine Differenzierung nach Nutz- und Haustieren sei unmöglich.Daten zu Rindern und Pferden fehlen

Aus Sicht des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (BPT) zeigt die Statistik den Fortschritt in den Bemühungen der Tierärzte, den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung deutlich zu senken. Aus dem staatlichen Monitoring lasse sich allerdings nicht ableiten, in welchen Bereichen die kritischen Antibiotika häufiger eingesetzt wurden. Nach den aktuellen Zahlen des QS-Monitorings für das Jahr 2015, die den kompletten Geflügel-, Schweine-, und Kälbermastbereich abdecken, sei die Zunahme dieser Wirkstoffe jedenfalls nicht nachvollziehbar, so der BPT. Aus Sicht von Tierärzten könnte der Anstieg des Verbrauchs von Antibiotika der 3. Generation auf die Behandlung Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen zurückzuführen sein. Überprüfen ließe sich diese Vermutung aber nur, wenn der Antibiotikaeinsatz auch bei diesen Tierarten genau erfasst würde.

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Studie: Zu viel Antibiotika in Humanmedizin

Bei der Diskussion um MRSA bzw. sogenannte Krankenhauskeime gerät häufig die moderne Tierhaltung in die Kritik. Der pauschale Vorwurf: Die Tierhalter setzen zu häufig Antibiotika ein, was auch zu Resistenzen im Humanbereich führen könnte. Eine neue Studie der DAK-Krankenkasse nimmt jetzt auch die Humanmedizin in die Pflicht. So seinen im Jahr 2013 laut Studie fast 30 % aller Antibiotika-Verordnungen mit Blick auf die Diagnose fragwürdig. Insbesondere bei Problemen mit den oberen Atemwegen werde zu schnell und zu häufig Antibiotika verschrieben, so die DAK. Zu kritisieren ist zudem, dass viele Patienten zu wenig über die ordnungsgemäße Einnahme von Antibiotika informiert. Nicht selten werden die Medikamente vorzeitig eigenmächtig abgesetzt. Das erhöht die Gefahr von Resistenzen ganz erheblich.


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