Anbindehaltung von Rindern

BTK enttäuscht über Entscheidung der Bundesregierung

Kühe in Anbindehaltung
Trotz "Initiative Tierwohl" und der Bundesratsinitiative gegen die ganzjährige Anbindehaltung lehnt das BMEL ein Verbot ab. Foto: Zaspel

Die Bundesregierung hat ein Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung abgelehnt und erntet Kritik und Enttäuschung der Bundestierärtzekammer.

Die Bundesregierung hat ihre Stellungnahme zur ganzjährigen Anbindehaltung von Rindern veröffentlicht. Tenor des Papiers, mit dem das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf eine Entschließung des Bundesrates zum Verbot dieses „nicht tiergerechten Haltungssystems“ reagiert: Die Bundesregierung lehnt ein Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung ab mit der Begründung, dass die Folgen für die betroffenen Wirtschaftsverbände noch nicht in genügendem Maße abgeschätzt werden konnten …

Tierwohl wird hinter wirtschaftliche Interessen gestellt

Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Bundestierärztekammer, ärgert diese Argumentation: „Die ganzjährige Anbindehaltung von Rindern schönzureden mit der Begründung, ein Verbot würde den Strukturwandel in der Landwirtschaft beschleunigen, berücksichtigt nicht das Tierwohl! Wenn man die Diskussion mit dem Ziel, die reine ganzjährige Anbindehaltung abzuschaffen, den Wirtschaftsbeteiligten überlässt, wird es wohl bis zum Sankt-Nimmerleinstag dauern, bis sich für die Tiere etwas ändert. Wir führen diese Diskussion schon so lange und es bedarf hier endlich klarer Entscheidungen seitens der Politik!“

Die Tierschutznutztierhaltungsverordnung regelt nur die Haltung für Kälber bis zu einem Alter von sechs Monaten, hier ist die Anbindung verboten. Konkrete Anforderungen an die Haltung von älteren Rindern sucht man bisher vergebens. Daher begrüßte die Bundestierärztekammer die Entschließung des Bundesrates vom April 2016 ausdrücklich – trotz der darin vorgesehenen langen Übergangsfrist von 12 Jahren. Dass das zuständige Ministerium nun die ganzjährige Anbindehaltung weiterhin erlaubt, und das u.a. damit begründet, dass es noch keine „Informationen dazu gibt, welche konkreten Haltungsarten vom beabsichtigten Verbot erfasst werden sollen“, findet Tiedemann absurd. In der Stellungnahme beantworte das BMEL diese Frage nämlich selbst, indem definiert werde, dass „ganzjährige Anbindehaltung eine Anbindehaltung von Rindern ohne Möglichkeit einer täglichen oder zumindest saisonalen freien Bewegung ist.“ „Im Klartext heißt das, die Tiere stehen oder liegen Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat immer am selben Platz, ohne Bewegungsfreiheit, Sonnenlicht und frischer Luft“, so Tiedemann.

Quelle: Bundestierärztekammer

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