Stendaler Symposium

Fallbericht: Zitzenhautnekrosen bei Jungkühen

Zitze auf Klaue
Treponemen (Spirochäten) sind die Leitkeime der Mortellaroschen Krankheit. Kommen Klauen und Zitzen beim Liegen der Kuh in engen Kontakt, können sie auf das Euter übergehen. Foto: Zaspel

Klar um schriebene, relativ großflächige Zitzenhautläsionen bei mehreren erstkalbenden Färsen kurz nach der Geburt - was kann die Ursache sein?

Einige Tiere waren so stark betroffen, dass die erkrankten Zitzen unmelkbar wurden und diese Tiere zum Schlachten geschickt werden mussten.

Mit diesem Problem hatte sich ein Kollege an das Landesamt für Verbraucherschutz (LAV) Sachsen-Anhalt gewandt, um eine umfängliche Diagnostik einzuleiten. Über den Praxisfall von 2016 berichtete Dr. Susanne Kenklies beim Stendaler Symposium im vergangenen Monat.

Zunächst sollte serologisch auf BoHV-2, den Erreger der Bovinen Herpes Mammillitis untersucht werden. Jedoch verlief der In-house-Neutralisationstest negativ. Aus dem Hautgeschabsel eines betroffenen Tieres konnten elektronenmikroskopisch ein geringgradiger Gehalt an Papillomviren gefunden werden. Parallel wurde die virologische Anzüchtung in Zellkultur eingeleitet, wobei sich nach drei Wochen eine Zellveränderung zeigte, die durch BoHV-4 verursacht wurde.

Inzwischen war auf dem Betrieb durch Bestandsbesuche eine Begutachtung der Situation vor Ort durchgeführt worden, um eventuelle nicht-infektiöse Ursachen ermitteln zu können. Ebenso erfolgte eine Ausschlussdiagnostik von anzeigepflichtigen Tierseuchen und die Abklärung anderer möglicher Erreger per PCR oder ELISA (BoHV-1, MKS, Pocken, Parapocken, BTV und BKF).

Da die klinischen Erscheinungen auch sehr gut zu den Literatur- Beschreibungen von Zitzenhautläsionen (Ischaemic Teat Necrosis) passten, die durch Treponemen entstehen, wurde an der Hochschule Hannover ein PCR-Test durchgeführt, der bei einem Tier positiv verlief.

Da aufgrund des geringen Probenmaterials nicht alle Proben mit allen Tests untersucht werden konnten, kam das LAV zu der Schlussfolgerung, dass sowohl Treponemen als auch BoHV-4 einen wesentlichen Anteil am Krankheitsgeschehen hatten.

Quelle: Vortragsband 10.Stendaler Symposium, 10.-12.05.2017

Clegg et al., 2016 hatte den Mortellaroerreger auch in Sprunggelenksläsionen nachgewiesen (vet-consult berichtete).

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