Wissenschaft

Fruchtbar ohne Schmerz

Klaue lahm
Nicht erst bei offensichtlicher Lahmheit handeln! Schon das Erkennen und Behandeln von milden Lahmheiten verringert Verluste, die durch schlechte Besamungserfolge entstehen. Foto: Zaspel

Eine Studie beweist, dass nicht nur deutliche, sondern auch geringgradige Lahmheiten in der Frühlaktation die Reproduktionsleistung beeinträchtigen.

Das Wissenschaftsteam um Prof. Hoedemaker der Tierärztlichen Hochschule Hannover hat in einer groß angelegten Studie in sieben Betrieben über 18 Monate alle 4 Wochen die Milchkühe (ca. 1850) anhand eines Locomotion Scoring Systems auf Lahmheit hin beurteilt.

Die Auswertung beinhalteten den Vergleich der Fruchtbarkeitskennzahlen zwischen nicht lahmen Kühen (Score 1) und Kühen mit geringgradigen Lahmheiten (Score 2) oder mittelgradigen Lahmheiten (Score ≥ 3).

Ergebnisse:

Kühe, die im 1. Laktationsmonat Scores ≥ 3 aufwiesen, zeigten eine um 6 Tage längere Rastzeit und eine um 16 Tage längere Güstzeit. Zudem wurden sie signifikant häufiger nicht tragend.

Kühe mit Score 2 im 3. Laktationsmonat wiesen eine um 4 Tage und Kühe mit Score ≥ 3 eine um 7 Tage längere Rastzeit auf als nicht lahme Kühe. 

Kühe mit geringgradiger Lahmheit im 3. Laktationsmonat hatten zudem eine um 18 Tage längere Güstzeit als nicht lahme Tiere.

Die längsten mittleren Rastzeiten ergaben sich bei Kühen mit Score 1 im 1. Laktationsmonat und Score 3 im 3. Laktationsmonat.

Schlussfolgerungen:

Nicht nur deutliche (Score ≥ 3), sondern auch geringgradige Lahmheiten in der Frühlaktation beeinträchtigen die Reproduktionsleistung einer Herde. Eine konsequente Überwachung der Klauengesundheit und eine fachgerechte frühzeitige Behandlung geringgradig und deutlich lahmer Tiere können einen Beitrag zum Tierwohl und zur ökonomischen Effizienz einer Milchviehherde leisten.

Originalartikel:
Orgel C, Ruddat I, Hoedemaker M: Prävalenz von Lahmheiten unterschiedlichen Grades in der Frühlaktation von Milchkühen und deren Einfluss auf Fruchtbarkeitsparameter. Tierärztliche Praxis Großtiere, 2016 (4), 2017-217


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