Klauengesundheit

Gemeinsam stark: Klauenpfleger und Tierärzte

Klauenstand Starke_Rosensteiner
Es ist zwingend notwendig, den aktuellen Wissensstand zur Klauengesundheit in die Praxis zu übertragen und diesen auszubauen. Foto: Starke

Die erfolgreiche Behandlung und Vermeidung von Klauenkrankheiten steht und fällt mit dem Wissen auf dem Gebiet der Klauengesundheit. Auf dem Leipziger Tierärztekongress wurde die Annäherung und der Austausch zwischen Klauenpflegern und Tierärzten gefördert.

Man nickt freundlich, guckt sich im Vorbeigehen die Behandlung von ein, zwei Kühen im Klauenstand an, bewundert - falls vorhanden - die Technik für die Dokumentation der Behandlung und widmet sich seinen üblichen tierärztlichen Aufgaben... Darauf beschränkt sich in vielen Landwirtschaftlichen Betrieben der Kontakt zwischen Klauenpflegern und betreuenden Tierärzten.

Welches Potential eine enge Zusammenarbeit zwischen diesen Berufsgruppen hat, die so eng mit der Tiergesundheit zusammenhängen, wurde während des Leipziger Symposiums zur Klauengesundheit klar. Denn dieses wurde berufsübergreifend für Tierärzte, Klauenpfleger und Landwirte organisiert. Nach den interessanten Vorträgen wurden die Themen aus den verschiedenen Blickwinkeln hinterfragt.

Obergrenze der zu pflegenden Tierzahl pro Tag festlegen

Seit vielen Jahren betreibt Dr. Andrea Fiedler in Bayern eine Orthopädische Spezialpraxis in Bayern. Sie betonte die Wichtigkeit der Kommunikation untereinander, die Einschätzung des Klauengesundheitsstatus auf den Betrieben und die gemeinsame Zieldefinition mit dem Landwirt. In größeren Betrieben scheitere die erfolgreiche Klauenpflege häufig an zu hoch gesetzten Vorgaben über tägliche Behandlungszahlen seitens des Betriebsleiters. Enorm wichtig sei auch der eingeplante Platz für einen funktionsfähigen Klauenstand mit Licht und Dach sowie vorhandenes Werkzeug, das Freude bei der Arbeit macht.

Kühe haben Angst vor Menschen, die sich falsch verhalten

Die Bedeutung des stressarmen Hintreibens in den Klauenstand erläuterte Herr W. Wendtland, Spezialist für "Low Stress Cattle Handling". Auch Prof. A. Starke von der Uni Leipzig, Initiator und Mitbegründer der Interessensvereinigung Klauengesundheit Deutschland (IKD), veranschaulichte anhand von sprunghaft ansteigenden Cortisolspiegeln, dass nicht nur die Klauenbehandlung selbst ein enormer Stressmoment für die Tiere ist - zudem überträgt sich der Stress auch durch Körpersprache auf die Kühe, die sich im gleichen Stallabteil befinden. Es konnte nachgewiesen werden, dass auch sie "mitfühlend" erhöhte Cortisolspiegel aufwiesen, auch wenn sie selbst nicht behandelt wurden.

Nur ein Drittel der lahmen Kühe werden erkannt

Noch immer wird vielerorts davon ausgegangen, dass Lahmheiten erst an Platz drei hinter Fruchtbarkeitsstörungen und Mastitiden als Hauptursachen für vorzeitiges Schlachten stehen. Tatsächlich sind aber lahme Kühe häufiger von Stoffwechselerkrankungen, mangelnder Fruchtbarkeit und Mastitiden betroffen, ohne dass die Klauenerkrankung ausreichend Beachtung findet.

Die gute Vorbereitung bei der Arbeit, das Schmerzmanagement der behandelten Kuh, das "Überweisen" eines Falls mit tiefergreifenden Erkrankungen an den Tierarzt, Dermatitis Digitalis, die sinnvolle Gestaltung von Klauenbädern, Lauf- und Liegeflächeneigenschaften sowie die Ökonomische Beurteilung des Klauengesundheitsmanagements waren weitere Themen des Leipziger Klauensymposiums.

Vet-Consult E-Learning