Seltene Erkrankung

Hämorrhagische Septikämie des Rindes in Süddeutschland

nekrotisierende Vaskulitis
Weichgewebe im Kehlbereich mit hochgradiger akuter nekrotisierender Vaskulitis (Gefäßentzündung), Standard-H&E-Färbung, 40x. Foto: CVUA Stuttgart

Mehrere Rinder mit Weidegang verstarben plötzlich in den Landkreisen Calw und Freudenstadt. Waren die Tiere am Abend zuvor noch bei gutem Allgemeinbefinden, wirkten sie am nächsten Morgen geschwächt, atmeten schwer, gaben keine Milch mehr und lagen teilweise fest. Mehrere Tiere verendeten.

Schlagartig hohe Temperaturen im Juni und Anfang Juli 2019 setzten Mensch und Tier in diesem Jahr bereits stark zu. Im nördlichen Schwarzwald verstarben in kurzer Zeit mehrere Weiderinder.

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart sezierte zwei Kühe und zwei Kälber aus benachbarten Landkreisen und fand flächige bis diffuse Unterhautödeme, Blutfülle im Verdauungstrakt, hämorrhagische Muskelnekrosen, nekrotisierende Vaskulitis und Verdacht auf Sepsis (eingehendere Sektionsbeschreibung hier).

Die Bakteriologie identifizierte Pasteurella multocida Kapseltyp B, den klassischen Erreger der sogenannten Hämorrhagischen Septikämie (Wild- und Rinderseuche). 

Die Hämorrhagische Septikämie ist vor allem aus Afrika und Asien bekannt. Empfänglich für eine Infektion sind neben Rindern und Büffeln auch Wildwiederkäuer, kleine Wiederkäuer, Haus- und Wildschweine, selten auch Pferde und Esel. In Deutschland wurden Krankheitsausbrüche mit dem Kapseltyp B in Brandenburg und Sachsen Anhalt (2010), in Niedersachsen (2013), in Mecklenburg-Vorpommern (2014/2015) und zuletzt 2017 in Nordbayern beschrieben.

Klinisch sind bei dieser Tierkrankheit verschiedene Verlaufsformen möglich. Bei der perakuten Form tritt hohes Fieber, Apathie und Fressunlust mit rascher Todesfolge auf. Die akute Form äußert sich durch hochgradige Unterhautödeme, Konjunktivitis mit Atemnot und Tod innerhalb weniger Tage. Zusätzlich ist die pektorale Form beschrieben mit Pneumonie, gestörter Vormagen- und Darmmotorik und blutigem Durchfall.

Für Tiere, die eindeutige Krankheitsanzeichen zeigen, kommt meist jede Hilfe zu spät. Daher sollten die betroffenen Tiere bereits in der initialen Fieberphase antibiotisch behandelt werden. Eine Infektion mit Pasteurella multocida Kapseltyp B gehört zu den meldepflichtigen Tierseuchen, es gelten verschärfte Hygienemaßnahmen (u.a. Quarantäne, Reinigung und Desinfektion). Wildtiere werden als Reservoir für diesen Erreger angesehen, so dass bei Weiderindern der Zugang von Wild auf Weiden und zu Tränken durch geeignete Einzäunungen verhindert und Wildfütterungsplätze nicht in der Nähe von Weidegebieten eingerichtet werden sollten.

Quelle: CVUA Stuttgart, Baden-Württemberg

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