Wissenschaft

Mastitis: effektiverer Antibiotikaeinsatz durch gründliche Prognostik

Milchprobenentnahme
Da für verschiedene Erreger unterschiedliche Heilungsaussichten bestehen, sind Untersuchungen von Milchproben bedeutsam. Foto: vet-consult

Bei über 25 % der behandelten klinischen Mastitiden in Milchkuhherden konnte keine bakteriologische Heilung erreicht werden. Für den effektiven Einsatz von Antibiotika sollten verschiedene Daten in die Entscheidung einbezogen werden.

Die antibiotische Therapie der klinischen Mastitis bei der Milchkuh ist schwierig und führt teilweise zu unbefriedigenden Ergebnissen. Um sinnlose Antibiotikagaben bei der Behandlung klinischer Mastitiden zu verhindern, ist es nützlich, eine zuverlässige Prognose für die Wahrscheinlichkeit der bakteriologischen Heilung zu erstellen.

In 24 Milchkuhherden in Nord­- und Mitteldeutschland wurde eine randomisierte Studie durchgeführt, um Faktoren zu identifizieren, die die bakteriologische Heilung einer klinischen Mastitis wesentlich beeinflussen. Über vier Jahre wurden Daten von 1270 Kühen mit Mastitis gesammelt.

Keine bakteriologische Heilung bei >25%

Welches antibiotische Präparat zur Behandlung eingesetzt wurde, hatte keinen signifikanten Einfluss auf die bakteriologische Heilungsrate, weshalb bei der statistischen Auswertung alle behandelten Tiere wie eine Gruppe betrachtet wurden. Bei 74,6 % der untersuchten Fälle (441) trat eine bakteriologische Heilung nach der antibiotischen Therapie ein.

Im Mittel hatten Kühe mit geringeren Zellzahlen höhere bakteriologische Heilungsraten. Ein statistisch signifikanter Einfluss auf die bakteriologische Heilungsrate wurde für die Zellzahlindividualsumme (individual sum-200-7) ermittelt. Diese gibt die Anzahl der Überschreitungen der 200 000 Zellen/ml­Grenze in den letzten sieben Monaten vor dem Auftreten der klinischen Mastitis als gewichtete Summe wieder. Je höher die Zellzahlindividualsumme, desto geringer die Wahrscheinlichkeit für eine bakteriologische Heilung. Zudem bestand ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Milchleistung des letzten MLP-­Berichts vor dem Auftreten der klinischen Mastitis und der bakteriologischen Heilung: Je höher die Milchleistung, umso geringer war die Wahrscheinlichkeit der bakteriologischen Heilung. Eine mögliche Erklärung wäre ein höherer Auswascheffekt des intramammär applizierten Antibiotikums. Kühe, die in der gleichen Laktation bereits mehr als einmal an Mastitis erkrankt waren, wiesen eine statistisch signifikant geringere Wahrscheinlichkeit für eine bakteriologische Heilung auf. Landwirte sollten beim Auftreten von klinischer Mastitis daher stets die Mastitis­-Historie der einzelnen Kuh bereithalten können.

Keimspektrum und Keimgehalt

Der am häufigsten nachgewiesene Erreger war Sc. uberis (34,7 %), gefolgt von E. coli (16,9 %), koagulasenegativen Staphylokokken (KNS, 9,3 %) und S. aureus (7,6 %). Von den pathogen­assoziierten Faktoren hatten Spezies und Genus des Keimes einen signifikanten Einfluss auf die bakteriologische Heilung. Die Wahrscheinlichkeit der bakteriologischen Heilung einer klinischen Mastitis, die durch Staphylokokken hervorgerufen wurde, war im Vergleich zu anderen Pathogenen herabgesetzt. Zur Gruppe der Staphylokokken wurden einerseits die KNS mit einer vergleichsweise hohen Heilungsrate (70,9 %) und S. aureus mit einer deutlich niedrigeren Heilungsrate von 46,7 % gezählt. Eine mögliche Erklärung hierfür wäre die Fähigkeit von S. aureus zur Ausbildung eines Biofilms, der Immunzellen und chemischen Substanzen den Zugang zum Bakterium erschwert. Die unterschiedlichen Heilungschancen für die verschiedenen Erreger unterstreichen die Bedeutung von Laboruntersuchungen oder Schnell­-Test­-Systemen zur Erregerbestimmung im Stall vor der Behandlungsentscheidung. Die Anzahl der ausgeschiedenen Bakterien hatte ebenfalls einen statistisch signifikanten Einfluss auf die Heilungsrate. Kühe mit einem niedrigen Keimgehalt in der Viertelgemelksprobe vor der Behandlung hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine bakteriologische Heilung als Kühe mit einem hohen Keimgehalt.

Diagnose - Anamnese - Prognose - Therapie

Es wird empfohlen, vor der Behandlung einer klinischen Mastitis den Zellgehalt und die Milchleistung der MLP­-Berichte, die Mastitis-Historie, die Eigenschaften des Erregers und die Anzahl der ausgeschiedenen Bakterien in die Therapieentscheidung einzubeziehen, um eine erfolglose Antibiotikaverabreichung zu vermeiden.

Ziesch M, Krömker V (2016): Factors influencing bacteriological cure after antibiotic therapy of clinical mastitis. Milk Science International 69

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