Studie

Labmagenulzera - welche Befunde?

Kühe
Die Prognose bei Labmagenulcus Typ 4 ist nahezu aussichtslos, daher sind im Betrieb Stressfaktoren rund um die Geburt zu vermeiden. Foto: Zaspel

Eine retrospektive Studie hat untersucht, welche klinischen, ultrasonografischen und labordiagnostischen Befunde bei Kühen mit perforierendem Labmagenulkus und generalisierter Peritonitis typisch sind.

Labmagenulzera werden in Abhängigkeit von der Tiefe des Defekts und dem Grad von Hämorrhagie und Peritonitis (lokal, diffus) in verschiedene Typen (1–5) kategorisiert. Während oberflächliche Erosionen (Typ 1) klinisch häufig gar nicht auffällig sind, kommt es bei perforierenden Labmagenulzera durch den Austritt der Ingesta in den Bauchraum zunächst zu einer akuten lokalen (Typ 3) und später zu einer diffusen Peritonitis (Typ 4) mit klinischen Symptomen ähnlich denen des septischen Schocks. Eine sichere Diagnose allein anhand der klinischen Symptome ist schwierig, da diese nicht spezifisch sind und teils auch für andere Erkrankungen (z. B. Fremdkörperperitonitis) sprechen können. Eine ergänzende Diagnostik ist daher nötig.
An der Universität Zürich wurden 87 Kühe mit Labmagenulkus vom Typ 4 klinisch, labordiagnostisch und teils (n = 75) auch sonografisch untersucht.

Ergebnisse
Alle Tiere zeigten ein schlechtes Allgemeinbefinden mit reduziertem Appetit oder Anorexie; weitere wichtige Symptome waren eine erhöhte Bauchdeckenspannung (81 Prozent), injizierte Skleralgefäße (77 Prozent), Pansenatonie (73 Prozent) und ein positiver Fremdkörpertest (58 Prozent). Die meisten Fälle (59 Prozent) traten während der ersten vier Wochen der Laktation auf. Hämatokrit und Plasmaprotein waren wichtige Laborparameter.
Interessanterweise war der erhöhte Hämatokrit, der bei 69 Prozent der Tiere gefunden wurde, entgegen den Erwartungen nur bei den wenigsten auch mit einer Hyperproteinämie verbunden. 89 Prozent dieser Tiere hatten dagegen eine normale oder sogar erniedrigte Plasmaprotein-Konzentration, was den enormen Verlust proteinreicher Flüssigkeit in die Bauchhöhle bei dieser Erkrankung widerspiegelt. Die Ultraschall­untersuchung erwies sich als hilfreich, um eine generalisierte Peritonitis zu beurteilen. Fast die Hälfte der Kühe hatte zusätzlich noch weitere Ulzera anderen Typs (1, 2 oder 3).

Fazit
Eine Diagnose von Typ-4-Ulzera des Labmagens allein anhand der klinischen Symptome ist schwierig. Mithilfe des positiven Fremdkörpertests war eine Unterscheidung zwischen Peritonitis aufgrund eines Labmagenulkus oder eines Fremdkörpers nicht möglich.
Zusätzlich sollten daher der Hämatokrit und die Plasma-Protein-Konzentration bestimmt werden. Die Ultraschall­untersuchung des Abdomens sowie die Untersuchung der Peritonealflüssigkeit geben weitere hilfreiche Hinweise, um die Diagnose abzusichern.
Da eine erfolgreiche Behandlung von Labmagenulzera mit generalisierter Peritonitis nach Aussagen der Autoren aber mehr oder weniger aussichtslos ist, sollte man vor allem versuchen, (Stress-)Faktoren, die gerade rund um die Geburt zu Ulzera führen, zu vermeiden.

Original-Veröffentlichung:

Braun et al. (2019): Clinical, laboratory and ultrasonographic findings in 87 cows with type-4 abomasal ulcer. BMC Vet Res.15(1):100.

Quelle: Gerda Bäumer, vetline.de

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