Wissenschaft

Milchproduktion von Einzelvierteln schonend beenden

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Die Bandbreite der Trockensteller könnte sich in Zukunft um ein antibiotikafreies Präparat zum Trockenstellen von Einzelvierteln während der Laktation erweitern. Foto: vet-consult

Das Trockenstellen einzelner Euterviertel in der Laktation bietet die Möglichkeit, chronisch infizierte Viertel aus der Produktion zu nehmen, jedoch fehlt bislang eine effektive, schonende und zugelassene Methode. Mit vielversprechenden Ergebnissen wurde eine natürlicherweise in der Milch vorkommende Substanz getestet.

Eine unter Großtierpraktikern durchgeführte Umfrage bestätigt den Wunsch nach einer wirkungsvollen und praktikablen Methode, um bei Einzelvierteln während der Laktation die Milchproduktion zu beenden. Denn Euterviertel mit chronischen und therapieresistenten Infektionen sind für milchviehhaltende Betriebe ein großes Problem. Betroffene Viertel belasten die Qualität der Tankmilch, stellen ein Infektionsrisiko für die Milchdrüsen anderer Tiere der Herde dar und verursachen durch häufig auftretende rezidivierende Mastitiden Behandlungskosten und zusätzlichen Arbeitsaufwand.

Eine Veröffentlichung von M. tho Seeth und V. KrömkerIn fasst in Form eines Kurzreviews in "Der Praktische Tierarzt" das praktische Wissen zum Trockenstellen von Einzelvierteln während der Laktation zusammen. Im Feld werden bereits verschiedene Methoden angewendet, auch in der Literatur sind einige Methoden beschrieben, um Euterviertel während der Laktation trockenzustellen. Eine dieser Methoden ist die intrazisternale Applikation von Jodverbindungen, welche effektiv, jedoch wenig schonend ist, da es zu einer irreversiblen Schädigung des Drüsengewebes kommt. Weder Jodverbindungen noch in einigen Betrieben eingesetzte Chlorhexidinlösungen sind für diese Indikation zugelassen.

Vielversprechend hingegen erscheint die intrazisternale Anwendung eines Caseinhydrolysats, ein enzymatisches Spaltprodukt des in der Milch natürlicherweise vorkommenden Caseins. Damit ist es möglich, die Milchsekretion durch die Nachahmung physiologischer Prozesse herabzusetzen.

In Israel wurde das selbst hergestellte Caseinhydrolysat 2003 erfolgreich getestet, um die Milchleistung in gesunden Eutervierteln hochleistender Kühe vor dem Trockenstellen herabzusetzen. Die behandelten Viertel waren in der Folgelaktation wieder anmelkbar.

In einer Studie von Martin tho Seeth, Volker Krömker und anderen Wissenschaftlern der Hochschule Hannover wurde 2016 Caseinhydrolysat verwendet, um chronisch infizierte und therapieresistente Euterviertel während der Laktation trockenzustellen. Jedes Viertel erhielt an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils morgens und abends nach dem Melken eine intrazisternale Applikation mit 15 ml des Caseinhydrolysates. So konnten 21 von 24 behandelten Eutervierteln erfolgreich trockengestellt werden.

In Zukunft müssen weitere Studien durchgeführt werden, um diese Methode weiterzuentwickeln und sie für die Praxis zugänglich zu machen.

Originalarbeit als Open Access- Artikel unter www.vetline.de zur Verfügung:

tho Seeth M, Krömker V (2017): Trockenstellen von Einzelvierteln während der Laktation. Prakt Tierarzt 98: 236–241

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