Berlin Brandenburgischer Rindertag

Neue Parasitosen entdeckt

Podiumsdiskussion

Tierärzte legen Wert auf Diagnostik und den umsichtigen Umgang mit Arzneimitteln. Viele haben die geforderten Änderungen der Tierärztlichen Hausapotheken VO in der Praxis schon umgesetzt.

Der 12. Berlin-Brandenburgische Rindertag bot den Teilnehmern aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich in 2,5 Tagen ein umfassendes Programm. Angefangen bei der derzeit aktuellen Tierseuchenlage über Klauengesundheit und Stoffwechselproblemen bis hin zu Eutergesundheit, Fruchtbarkeitsstörungen und Kälberkrankheiten. 
Prof. Kerstin Müller, Geschäftsführende Direktorin der Klinik für Klauentiere, stellte einen einheitlichen Klauendiagnoseschlüssel vor, mit dessen Hilfe Tierärzte und Klauenpfleger einheitliche Diagnosen in Dokumentationsprogramme einpflegen können. Neu sind dabei zum Beispiel folgende Diagnosen: Nicht-Diagnose DD für eine mortellarofreie Klaue; die Alarmdiagnose für Diagnosen wie Zwischenzehenphlegmone oder Sohlenspitzennekrose, die sofortiges Handeln nötig machen; Markerdiagnosen für z. B. Limax oder Ballenfäule, die Indikatoren für Schwachstellen im Betrieb sind.

Kein Tupfer von der Klaue

Zu den Highlights gehörte die zweistündige Podiumsdiskussion zur neuen Tierärztlichen Hausapotheken VO, bei der brennende Praxisfragen aus dem Publikum von Vertretern der Arzneimittelüberwachung, Universität und einem Diagnostiklabor beantwortet wurden. Insgesamt schienen sich die Teilnehmer einig darin, dass die sogenannten Reserveantibiotika nur noch restriktiv eingesetzt werden und dass der Diagnostik in Zukunft ein höherer Stellenwert eingeräumt wird. Viele Praxisinhaber haben die neuen Anforderungen bereits in die Praxis umgesetzt. Diagnostiker berichteten darüber, dass das Probenaufkommen sich erhöht habe. Medizinisch unsinnige Proben wie Abstriche aus einer Mortellaro-Wunde oder einer infizierten Gebärmutter - das sind immer Mischinfektionen -  kamen aber auch vor. Hier muss von den Laboren in Zukunft noch Aufklärungsarbeit geleistet werden.
 

Parasitendiagnsotik
Blutparasiten töten Kühe
Ein weiterer Fokus stand in diesem Jahr auf den Parasitosen. Prof. von Samson-Himmelstjerna, Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin, leitete einen Workshop mit viel Praxisbezug. Teilnehmende Tierärzte hatten die Möglichkeit, neue Untersuchungsverfahren (Mini-FLOTAC) im Labor des neu gebauten Instituts für Parasitologie selbst durchzuführen. Auf dem Gebiet der Parasitenbekämpfung werden wir uns in Zukunft aufgrund des Klimawandels mit einem Neuaufleben altbekannter (z. B. Leberegel) und neuer Infektionen beschäftigen müssen. So stellt Tierarzt Ard Nijhof, PhD, sowohl Fälle von Spulwürmern bei Weiderindern in Brandenburg als auch Fälle der durch Zecken übertragenden Babesiose mit etlichen toten Kühen in Niedersachsen vor.
 
Viele Teilnehmer hängten im Anschluss noch einen Sonntag bei strahlendem Sonnenschein Berlin an. Der nächste Berlin-Brandenburgische Tierärztetag findet im Oktober 2020 statt.

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