Meldepflichtige Erkrankung

Niedersachsen: Paratuberkulose- Verordnung in Kraft getreten

Kuh
Auch die subklinische Paratuberkulose führt zu einer Verminderung der Milchleistung von bis zu 600 kg/Kuh/Laktation sowie zu einer erhöhten Remontierungsrate und zu einer schlechteren Futterverwertung. Foto: Marco Barnebeck_Telemarco

Für Milchvieh haltende Betriebe in Niedersachsen ist jetzt eine jährliche Untersuchung auf Paratuberkulose vorgesehen. Dafür werden die Proben genutzt, die ohnehin zur Untersuchung auf das „Bovine Herpesvirus Typ 1" (BHV1) genommen werden müssen.

Dem Tierhalter entsteht somit kein zusätzlicher Aufwand. Eine derartige Verordnung ist in Deutschland bisher einzigartig.

Die seit dem 01.11.17 in Kraft getretene Verordnung soll den Gesundheitsstatus in Rinderbeständen verbessern sowie eine mögliche Weiterverbreitung der Paratuberkulose in Zuchtbetriebe vermindern und verhindern. „Niedersachsen trägt somit durch die Verordnung zum Erhalt der Tiergesundheit bei und leistet einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Tierkrankheiten", sagte Landwirtschaftsminister Christian Meyer.

Wesentlicher Punkt der neuen Vorgabe ist die Untersuchungspflicht aller über 24 Monate alten Zuchtrinder anhand von Einzelblut- und Einzelmilchproben oder von Bestandsmilchproben. Ausgenommen von der Untersuchungspflicht sind die Zuchtrinder von Mutterkuhbeständen.

Einzelproben sind im Abstand von maximal zwölf Monaten, Bestandsmilchproben im Abstand von drei bis neun Monaten zu untersuchen. Weist die Bestandsmilch ein fragliches oder positives Ergebnis auf, müssen alle über 24 Monate alten Zuchtrinder des Bestandes innerhalb von zwei Monaten in einer Einzelprobe untersucht werden. Der Tierhalter muss die Untersuchungsergebnisse spätestens 14 Tage nach Erhalt der Veterinärbehörde schriftlich mitteilen. Es ist vorgesehen, dass diese automatisch von der Untersuchungseinrichtung an die Datenbank „Herkunftssicherungs- und Informationssystem Tiere" (HIT) übertragen werden. Kommt es bei der Einzeltieruntersuchung zu positiven Ergebnissen, muss der Tierhalter zusammen mit dem Tierarzt einen Hygieneplan erstellen. Dieser ist binnen eines Jahres auf dessen Wirksamkeit zu kontrollieren und eventuell zusammen mit dem Tierarzt anzupassen.

Die Niedersächsische Verordnung zum Schutz der Rinder gegen die Paratuberkulose, kurz Nds. ParaTb-VO, ist auch deswegen so wichtig, weil es sich bei der Paratuberkulose um eine in Deutschland meldepflichtige Erkrankung handelt. Diese bakterielle Infektionskrankheit wird durch das Mycobacterium avium spp. paratuberculosis (MAP) verursacht, wobei es zu einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung bei Wiederkäuern kommt. Hauptsymptome sind anhaltende Durchfälle und eine fortschreitende Abmagerung der Tiere. Infizierte Rinder zeigen aufgrund der langen Inkubationszeit lange Zeit keine typischen Auffälligkeiten wie massiven unstillbaren Durchfall oder Abmagerung. Jedoch scheiden sie den Erreger bereits vor Auftreten der ersten Krankheitssymptome in großem Ausmaß über den Kot sowie während der klinischen Phase auch über Milch und die sogenannte Biestmilch, das Kolostrum, aus. Das Infektionsrisiko ist daher sehr hoch.

Die niedersächsische Tierseuchenkasse übernimmt die Kosten für Probennahme und Laboruntersuchungen, die laut Verordnung vorgeschrieben sind. Die Kosten werden je zur Hälfte vom Land und von der Tierseuchenkasse getragen. Bei einem positiven Paratuberkulose-Befund werden auch die Kosten für die Biosicherheitsberatung übernommen.

Weiterführende Informationen zu Paratuberkulose

Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Foto: Marco Barnebeck_Telemarco, pixelio.de

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