Meldepflichtige Tierkrankheit

Rückkehr des Schmallenberg-Virus

Mißbildung_Kalb
Bei der Infektion mit dem Schmallenberg-Virus handelt es sich um eine meldepflichtige Tierkrankheit. Durch missgebildete Kälber kommt es vermehrt zu Komplikationen bei der Geburt. Foto: Zaspel

Im Laufe des letzten Jahres haben Berichte über an Schmallenberg-Virus (SBV) erkrankten Kälbern und Lämmern in Deutschland zugenommen. Neben den direkten Virusnachweisen bei einzelnen Tieren zeigt auch der zunehmende Anteil antikörper-positiver Rinder, die zum Beispiel im Rahmen von Exportuntersuchungen getestet wurden, dass das Virus wieder kursiert.

Von einem neuen Aufflammen der zwischenzeitlich verschwundenen Erkrankung ist auszugehen. Diese Entwicklung besteht bundesweit und betrifft auch andere europäische Länder: So sind seit Juni 2016 Ausbrüche ebenfalls aus den Niederlanden, Belgien und dem Vereinigten Königreich gemeldet worden.

Die Übertragung des Virus erfolgt transplazentar (von der Mutter auf das Kalb/Lamm) und über Arthropoden (Gnitzen). Eine frische SBV-Infektion verursacht bei erwachsenen Rindern und Schafen zumeist milde Symptome, sofern den Tieren überhaupt etwas anzumerken ist. Beobachtet wurden zum Beispiel Milchleistungsrückgang, Fieber oder Durchfall. Das Virus wird von einem gesunden Tier schnell bekämpft und ist nur wenige Tage nachweisbar. In der Folge bilden die Tiere Antikörper, die über Monate bis Jahre nachweisbar bleiben und zunächst für einen Schutz vor einer erneuten Infektion sorgen.

Eine Besonderheit ist die Infektion trächtiger Tiere. Erfolgt eine Infektion des Muttertieres in einem empfindlichen Zeitfenster der frühen bis mittleren Trächtigkeit (Rinder mutmaßlich zwischen dem 75. und 175. Tag, Schafe etwa zwischen dem 30. und 50. Tag), können schwere Missbildungen bei den Kälbern und Lämmern auftreten. Hierbei sind besonders der Kopf und das Nervensystem sowie die Gliedmaßen betroffen. Die Missbildungen der Gliedmaßen beruhen oft auf Verkürzungen der Sehnen und äußern sich in steifen Gelenken. Daraus können große Probleme für die Geburtshilfe und das Leben der Muttertiere entstehen. Weiterhin kann das Virus im trächtigen Uterus sowie dem Fetus bis zur Geburt erhalten bleiben. 

Bei Verdacht einer SBV Infektion eignen sich zum Nachweis akut infizierter Tiere Serum oder EDTA-Blutproben. Der Erregernachweis bei Aborten, Totgeburten oder missgebildet geborener Lämmer oder Kälber erfolgt zunächst aus dem Gehirn. Ergänzend können Herzblut, Milz, Fruchtwasser (Felltupfer, Innenohr, Magen) und Mekonium untersucht werden.

Prophylaktische Maßnahmen zum Schutz vor Schmallenberg-Virus Infektionen:
In Betracht kommt der Schutz empfänglicher Tiere vor Gnitzen/Mücken, um das Infektionsrisiko insbesondere während der Vektor-aktiven Zeit zu mindern. Darüber hinaus kann der Besamungszeitpunkt weiblicher Tiere so gelegt werden, dass die empfängliche Phase der Trächtigkeit außerhalb der Vektor-aktiven Zeit liegt.

Das Schmallenberg-Virus (Familie Bunyaviridae, Genus Orthobunyavirus) war 2011 erstmals nachgewiesen worden und zuvor weltweit noch nicht beschrieben worden. Nach seiner Isolierung und Klassifizierung durch das Friedrich-Loeffler-Institut erhielt es seinen Namen nach der Herkunft der ersten Probe, der Stadt Schmallenberg in Nordrhein-Westfalen.

Quelle: LAVES, Niedersachsen; Holsteinisches Bauernblatt

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