Wissenschaft

Zeitspanne bis zum Schutz vor BTV-Virämie

Schafe
Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die verwendete BTV-8-Vakzine die Virämie schon mit einer Injektion bereits 14 Tage nach der Impfung sicher verhindern kann. Foto: A.S., pixelio.de

Durch die Impfung gegen das Blauzungenvirus (BTV) kann die Ausbreitung des Erregers effektiv begrenzt werden. Der Zeitraum nach der Erstimpfung bis zur Verhinderung der Virämie bei Viruskontakt ist für Tierseuchenkontrollmaßnahmen und Handelsrestriktionen relevant.

Die Blauzungenkrankheit hat in den Folgejahren nach ihrem erstmaligen Auftreten in Europa 2006 durch Erkrankungen und Handelshemmnisse zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden in der Tierhaltung geführt. Um den Ort des BT-Virusnachweises werden Restriktionszonen in einem Radius von 150 km errichtet. Nach EU-Recht sind Tiertransporte aus den Restriktionszonen erst nach einer „Wartezeit“ von 60 Tagen nach der erfolgten Impfung möglich. Eine lange Zeit, denn die inaktivierten BTV-Vakzine müssen zweimal im Abstand von drei bis vier Wochen verabreicht werden. Manche EU-Länder haben Sondervereinbarungen getroffen. So erlaubt zum Beispiel Italien den Import empfänglicher Nutztiere aus Restriktionszonen in Österreich und Frankreich bereits zehn Tage nach Abschluss der Impfung. Wissenschaftliche Daten zu diesen Sonderregelungen fehlten bislang. Daher wurde in der vorliegenden italienischen Studie untersucht, nach welcher Zeit Schafe nach einer Erstimpfung ausreichend vor einer Virämie geschützt sind.

Impfung und Challenge mit BTV-8-Feldvirusstamm
Die Schafe wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten kurz nach der Erstimpfung mit einer inaktivierten Blauzungenvakzine (BTVPUR AlSap 8, Merial) mit einem BTV-8-Feldvirus aus dem Jahr 2006 infiziert und Blutproben auf die Antikörperreaktion und den Nachweis von BTV-8-RNA und Virus hin untersucht. 24 gesunde Schafe im Alter zwischen 15 und 23 Monaten, die frei von BTV-Virus und BTV-Antikörpern waren, wurden zufällig in vier Gruppen à sechs Tiere eingeteilt. Gruppe A wurde zwei Wochen vor der Infektion mit dem BTV-8-Feldvirus („Challenge“) erstmalig geimpft. Gruppe B wurde eine Woche vorher und Gruppe C zeitgleich geimpft. Der vierten Gruppe wurde zeitgleich mit der Challenge 1 ml eines sterilen Mediums (Placebo) verabreicht. Die Tiere der Gruppen A, B und C wurden nach Herstellerangaben 28 Tage nach der Erstimpfung geboostert. Nach der Challenge wurden über einen Zeitraum von elf Wochen Blutproben untersucht. Zudem erfolgten täglich klinische Untersuchungen der Schafe. Mit statistischen Methoden wurde die Anzahl der virämischen Tiere der einzelnen Gruppen miteinander verglichen.

Zwei Wochen nach Erstimpfung: keine Virämie 
Kein Tier der vier Gruppen zeigte relevante klinische Symptome einer Blauzungenerkrankung. Bei keinem Schaf der Gruppe A wurde während des Untersuchungszeitraumes Virus oder virale RNA im Blut nachgewiesen. Im Gegensatz dazu wurde bei zwei von sechs Tieren der Gruppe B BTV-8 mittels real-time PCR nachgewiesen. Tiere der Gruppe C und der Placebo-Gruppe zeigten in den Blutuntersuchungen die erwartete Infektionsdynamik mit Nachweisen von Virus und Virus-RNA. Die Gruppen A und B waren statistisch signifikant weniger virämisch als die Placebo-Gruppe. In Bezug auf die humorale Immunantwort zeigte sich, dass die Infektion der Placebo-Gruppe zu einer stärkeren humoralen Immunantwort führte als die der geimpften Tiere. In Bezug auf die Höhe der Antikörpertiter konnte in den Gruppen A und B keine signifikante Erhöhung nach der Zweitimpfung festgestellt werden. Jedoch erhöht die Boosterimpfung die Dauer der Immunität.

Auswirkungen auf Impfstrategien zur Begrenzung der Seuchenausbreitung
Im September 2015 trat die Blauzungenerkrankung mit einem ähnlichen BTV-8-Stamm wie in den Jahren 2006–2008 erneut in Frankreich auf. Um Impfkampagnen zur Verhinderung der Tierseuchenausbreitung um einen frischen Infektionsort herum sinnvoll und kosteneffektiv zu planen, ist die Frage nach der Zeitspanne von der Erstimpfung bis zum effektiven Verhindern einer Virämie bei den Tieren entscheidend. Denn mit dieser Information kann die Breite des Impfgürtels berechnet werden. 2006 breitete sich die Infektion mit einer Geschwindigkeit von knapp 2 km pro Tag um den Infektionsherd in der Nähe von Maastricht (Niederlande) aus. Die Geschwindigkeit der Ausbreitung in Frankreich in 2007–2008 lag zwischen 2,1 und 9,3 km pro Tag. Mit einer Schafdichte von knapp 27 Tieren/km2 in Frankreich bedeutet dies eine durchschnittliche Anzahl von 56–250 empfänglichen Tieren pro Tag und Kilometer der epidemiologischen Ausbreitungswelle. Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die verwendete BTV-8-Vakzine die Virämie schon mit einer Injektion bereits 14 Tage nach der Impfung sicher verhindern kann. Bei einer Infektion nach sieben Tagen konnte die Virämie nicht verhindert, aber signifikant verringert werden. Die Autoren schlagen vor, die Handelsbeschränkungen für die Tiere, die mit diesem Impfstoff geimpft wurden, auf 14 Tage nach der Erstimpfung zu reduzieren, um wirtschaftliche Ressourcen zu schonen. Zudem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine one-shot Verabreichung dieses verwendeten Impfstoffes ausreichend ist, um die Virämie zu verhindern, wenn sie zwei Wochen vor dem Viruskontakt erfolgt.

Grenzen der Untersuchung
Die geringe Tierzahl kann ein eher geringes Vertrauen in die Wahrscheinlichkeit des Impfschutzes der betroffenen Tiere hervorrufen. Sechs geschützte von sechs geimpften Tieren ergeben eine 95%ige Konfidenz, dass zwischen 65–100 % der Tiere in einer Impfkampagne gegen eine Virämie nach einer Infektion mit einem Feldvirustyp geschützt sind. Die Ausprägung der Erkrankung mit dem hier verwendeten pathogenen Feldvirustyp war beim BT-Ausbruch 2006– 2008 stark von wirtsspezifischen Faktoren abhängig und auch unter Feldbedingungen zeigten einige Tiere kaum klinische Symptome. Die Möglichkeit, dass die Vermehrung auf der Zellkultur den Virus attenuiert hat, ist jedoch nicht auszuschließen. Die Studienergebnisse sind für Schafe gültig, eine Ausdehnung der Schlussfolgerungen für Rinder und andere BTV-8-Vakzine oder andere BTV-Serotypen-Vakzine muss im Einzelfall spezifisch untersucht werden.

Die Veröffentlichung ist als Open Access Artikel frei verfügbar.

Originalarbeit: Spedicato M, Lorusso A, Salini R, Di Gennaro A, Leone A, Teodori L, Casaccia C, Portanti O, Calistri P, Giovannini A, Savini G (2017): Efficacy of vaccination for bluetongue virus serotype 8 performed shortly before challenge and implications for animal trade. Prev Vet Med 136: 49–55.

Quelle: vetline.de

Foto: A.S., pixelio.de

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