Wissenschaft

Sperrmilch an Kälber: mehr Resistenzen bei E.coli und P.multocida

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Die Kälber der Milchaustauscher-Gruppe wiesen in Nasen- und Kottupfern weniger resistente Keime auf als Kälber, die mit Sperrmilch getränkt wurden. Foto: Zaspel

Bakterien aus Nasen- und Kottupfern von Kälbern wurden auf Resistenzen gegenüber verschiedenen antimikrobiellen Substanzen hin untersucht. Die Kälber waren entweder mit Milchaustauscher oder Sperrmilch gefüttert worden.

Nicht nur die EFSA kommt zu dem Schluss, dass die Verfütterung von Sperrmilch an Kälber das Risiko für Antibiotikaresistenzen steigert (vet-consult berichtete), diese Erkenntis wird auch durch wissenschaftliche Studien im Feld bestätigt.

In einer Feldstudie wurden auf acht milchproduzierenden Betrieben die Resistenzmuster von fäkalen Escherichia coli und nasalen Pasteurella multocida untersucht. Auf vier Betrieben wurden die Kälber nur mit Milchaustauscher gefüttert und auf den anderen vieren wurden sie mit Milch, die noch Rückstände von Antibiotika enthält (= Sperrmilch) getränkt.

Von 20 ± 5 Kälbern wurden im Alter von 42 ± 3,2 Tage Nasen- und Kottupfer genommen. Bei jeweils 10 dieser Kälber wurde die Untersuchung im Alter von ungefähr einem Jahr wiederholt, um die Zielbakterien erneut zu isolieren. Zudem wurden auf jedem Betrieb Proben der Umgebung und von 5 Kälbern und ihren Müttern bei der Geburt entnommen.

Die isolierten Bakterien wurden auf Resistenzen gegen Amoxicillin-Clavulansäure, Ceftiofur, Colistin, Doxycyclin, Enrofloxacin, Erythromycin, Florfeniol, Imipenem und Streptomycin untersucht.

In den Kotproben der Kälber, die mit Sperrmilch gefüttert wurden, wurde eine größere Anzahl an gegen ENR, Florfenicol und Streptomycin resistenten E.coli gefunden als bei Kälbern, die Milchaustauscher erhalten hatten. Zudem wurde ein Einfluss des Alters der Kälber auf die Resistenzprävalenz von fäkalen E.coli festgestellt: Für Enrofloxacin und Doxycyclin nahmen die Resistenzen von der Geburt bis zum Alter von 6 Wochen zu und zwischen 6 Wochen und 1 Jahr nahmen sie unabhängig vom Fütterungsprogramm für Doxycyclin ab.

In den Nasentupfern wurde eine Zunahme der colistin-resistenten P. multocida bei mit Sperrmilch getränkten Kälbern im Vergleich zu den Kälbern der Milchaustauscher-Gruppe festgestellt.

Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass die Fütterung von Sperrmilch an Kälber die Präsenz von resistenten Bakterien im Dickdarm und in den Atemwegen fördert.

Originalarbeit: Maynou G, Bach A, Terré M: Feeding of waste milk to Holstein calves affects antimicrobial resistance of Escherichia coli and Pasteurella multocida isolated from fecal and nasal swabs. J Dairy Sci. 2017 Feb 16

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