Biosicherheit

Betriebseigene Schutzkleidung für Tierärzte in Rinderbetrieben!

Betriebseigene Gummistiefel
Betriebseigene Gummistiefel oder Einmalschutzkleidung gehören auch in Rinderbetrieben zum MUSS in Sachen Biosicherheit. Foto: vet-consult

Weil es Hinweise darauf gab, dass Tierärzte maßgeblich zur Verbreitung der BHV-1-Neuausbrüche und BVD-Infektionen beigetragen haben könnten, rät das FLI eindringlich zum Tragen betriebseigener Schutzkleidung in Rinderbeständen.

Hof- und Amtstierärzten kommt in puncto Hygiene und Biosicherheit auch in vermeintlich „seuchenfreien“ Zeiten eine wichtige beratende und Vorbildfunktion zu. Jeder Tierarzt sollte diese Vorbildfunktion aktiv ausfüllen und Maßnahmen der Biosicherheit auch im Rinderbetrieb sehr genau umsetzen und so dafür Sorge tragen, dass in den rinderhaltenden Betrieben die Biosicherheit eine weitaus höhere Akzeptanz erfährt als bisher.

Erster Kontakt zu seuchenkranken Tieren - hohe Verantwortung

Tierärzte spielen sowohl bei der Erkennung als auch bei der Bekämpfung von Tierseuchen eine Schlüsselrolle. Sie sind die ersten, die kranke Tiere unter­suchen und aufgrund ihres Fachwissens erkennen können, ob die beobachteten Symptome und die epidemiologische Situation darauf hindeuten, dass eine gefährliche Infektionskrankheit bzw. Tierseuche vorliegt. Sie tragen somit eine große Verantwortung bei der Gesunderhaltung von Tierbeständen.

Verschleppung von Seuchenerregern in freie Betriebe

In den letzten Monaten kam es leider zu Rückschlägen mit BHV- ­1­ Neuausbrüchen in freien Regionen, bei denen es Hinweise darauf gab, dass Tierärzte maßgeblich zur Verbreitung der Seuche beigetragen haben könnten. So zum Beispiel bei einem BHV-­1 Ausbruch in Baden­Württemberg im Frühling/Sommer 2016, in dessen Verlauf insgesamt 692 Rinder getötet oder geschlachtet werden mussten. Auch bei einem BVD­-Ausbruch (Typ 2c) 2012/2013, der zur Infektion von mehr als 5.000 Rindern in 21 Betrieben in Nordrhein­-Westfalen und  Niedersachsen geführt hat, waren Tierärzte maßgeblich beteiligt (vet-consult berichtete).

Der Tierhalter muss seinen Bestand schützen

Der Tierhalter entscheidet, wer wie und wann Zutritt zu seinen Tieren bekommt. Ob Tierarzt, Viehhändler, Klauenpfleger, Besamer oder Zuchtberater – der Tierhalter sollte dafür sorgen, dass alle Personen, die in den Betrieb kommen, die Vorgaben zur Biosicherheit sehr genau einhalten. Aber auch (praktizierende) Tierärzte haben nach EU-Tiergesundheitsrechtsakt neben der Pflicht zur Diagnose und Differentialdiagnose zur Bestätigung oder zum Ausschluss von Tierseuchen insbesondere die Pflicht, den Tierhalter in Sachen Biosicherheit zu beraten mit dem Ziel, die Einschleppung, Entwicklung und Ausbreitung von Tierseuchen zu verhindern.

Biosicherheitsmaßnahmen vorbildlich einhalten

Zum „Muss“ in Sachen Biosicherheit gehört das Tragen von betriebseigener Schutzkleidung (Stiefel, Overall, Handschuhe) oder entsprechender Einwegkleidung. Auch eine gute Tourenplanung, insbesondere von Tierärzten, kann dazu beitragen, das Risiko der Erregerverschleppung zu verringern (Anfahren von Ver­dachtsbetrieben am Ende der Tour, Abbruch der Tour, nach Besuch eines Verdachtsbetriebs, Durchführung von Reinigungs­ und Desinfektionsmaßnahmen, ggf.Duschen, Kleiderwechsel).

Weitere Maßnahmen der Biosicherheit, beispielsweise die Einfriedung des Betriebsgeländes, Zutritts­ und Zufahrtsbeschränkungen, die Einteilung in reine und unreine Bereiche, das Einrichten von Desinfektionsmöglichkeiten (Wannen, Matten etc.) und das Vermeiden sich kreuzender Wege sind unter Berücksichtigung der Betriebssituation zu planen und umzusetzen.

Quelle: Friedrich-Löffler-Institut (FLI): Tierärztliche Praxis für die Rinderhygiene

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