10. Stendaler Symposium

Geburtskomplikationen ergründen

Geburtsüberwachung
Als wichtigster Verursacher für Totgeburten wird eine Komplikation im Geburtsverlauf angesehen. Foto: Zaspel

Die Totgeburtenrate ist eine wertvolle Kennzahl zur Beurteilung des Abkalbemanagements in einem Milchviehbetrieb. Folgende Faktoren werden als Hauptursache für Geburtskomplikationen angesehen.

Die Anzahl der Schwergeburten auf verschiedenen Betrieben lassen sich wegen subjektiver Beurteilungen durch die Landwirte schwer vergleichen. Die Totgeburtrate dient als Orientierungswert, stellt aber nur die Spitze des Eisbergs der durch die Geburt geschädigten Kälber dar. In Sachsen-Anhalt liegt laut LKV-Bericht 2016 die durchschnittliche Totgeburtenrate bei ca. 8% (Färsen: 12%, Kühe: 6%). Jedoch sind nur 10% der tot geborenen Kälber mit Geburtsbeginn bereits verendet, also sterben 90% erst unter oder kurz nach der Geburt.

Alimentäre und infektiöse Ursachen konnten bei ca. 90% der Betriebe mit erhöhten Totgeburten nicht nachgewiesen werden. Stattdessen werden hauptsächlich Komplikation im Geburtsverlauf mit stetig abnehmender Sauerstoffversorgung des Fetus für Totgeburten verantwortlich gemacht. Bei der Ursachenforschung muss zwischen Färsen und Kühen unterschieden werden:

Färsen:

  • fetomaternales Mißverhältnis: führt primär zu einem gestörten Geburtsablauf oder sekundär zu einem vermehrten Auftreten von Haltungsfehlern.
  • stressinduzierte verzögerte oder unzureichende Öffnung und Aufweitung der weichen Geburtswege: Folge ist eine reduzierte Bauchpressenarbeit mit verlängerter Geburtsdauer
Kühe:

  • unerkannte subklinische Hypokalzämie ("slow calving syndrom"): Wehenschwäche durch Kalziummangel mit verlängerter Geburtsdauer

Diese drei Hauptfaktoren können durch das Betriebsmanagement verbessert werden. Als weitere Ursache von Schwer- und Totgeburten werden unzureichende Kenntnisse in fachgerechter Geburtshilfe benannt.

Mitarbeiterschulungen und die Optimierung der Arbeitsvorgänge bei der Geburtsüberwachung helfen hier weiter, um maßgeblich die Kälbergesundheit und die der "fresh cows" zu verbessern.

Quelle: Dr. Alexandra Koch, TSK Sachsen-Anhalt im Vortragsband des 10. Stendaler Symposiums


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